Der neue Glücksspielstaatsvertrag – Erneutes Versagen mit Ansage

Wieder einmal haben sich die Bundesländer sich an einer neuen Fassung des Glücksspielstaatsvertrags versucht und auch diese ist zum Scheitern verurteilt. Warum wir dies so sehen werden wir in aller Kürze erläutern.

Fangen wir bei den Einsatzlimits an, so soll es mit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages im kommenden Jahr ein Einzahlungslimit von 1000 Euro pro Monat geben. Dieses Einzahlungslimit gilt Anbieterübergreifend, es ist also nicht möglich, bei mehreren Sportwetten Anbietern oder eben auch online Casinos mehr, als insgesamt 1000 Euro einzuzahlen. Dienen soll dies dem Spielerschutz, dies ist einerseits löblich, auf der anderen Seite ist es aber völliger Schwachsinn mit einem fixen Limit für jeden Spieler zu arbeiten.

Es ist völlig klar, dass ein Spieler welcher 1500 Euro im Monat verdient, keine 2000 Euro verspielen sollte, aber eben auch keine 1000 Euro. Wieso aber sollte ein Spieler welcher im fünf oder gar sechsstelligen Bereich verdient sich von staatlicher Stelle ein Limit von 1000 Euro bestimmen lassen? Dieses Limit ist also völlig absurd, es schütz weder einen Geringverdiener zu viel Geld zu verspielen, noch dient es dem Ziel, den Schwarzmarkt zu bekämpfen.

Eines ist doch klar, ein Besserverdiener wird sich nicht vom Staat vorgeben lassen, welche Summen er verspielen darf und ehrlich gesagt geht es den Staat auch einen feuchten Dreck an, was seine Bürger mit ihrem Geld machen. Man muss bedenken, es geht hier um das Eigentum der Bürger und nicht um jenes des Staates. Es muss Limits geben, diese aber müssen an die finanziellen Mittel eines Spielers angepasst sein und nicht an eine ausgewürfelte Zahl, welche völliger Schwachsinn ist.

Bleibt es bei diesem Limit, wir eines passieren, die legalen Anbieter werden keinen Fuß fassen aufgrund der absurden Regelungen und der Schwarzmarkt wird noch stärker, als er ohnehin schon ist. Sind es bisher Sportwetten Anbieter und online Casinos mit Lizenzen in Europa, vor allem in Malta, welche von deutschen Spielern bevorzugt werden, werden es in Zukunft Casinos mit Karibik Lizenzen oder gar jene ohne Lizenz sein. Nun wird der ein oder andere schlaue Mensch aus der Politik wieder auf Paymentblocking verweisen. Dieser sollte dann aber auch darlegen wie Sie dieses Paymentblocking denn bei zum Beispiel bei Kryptowährungen betreiben wollen. Um hier jede Transaktion nachverfolgen zu können, würde eine Armee von Spezialisten benötigt, welche Deutschland in dieser Zahl nicht mal im Ansatz hat.

Glücksspielstaatsvertrag – Der gläserne Bürger

Sind wir mal ehrlich, welcher Bürger wünscht sich nicht einen Staat welcher über jede Glücksspieltransaktion seiner Bürger Bescheid weiß? In Deutschland wird dies, sollte der neue Glücksspielstaatsvertrag in dieser Form wirklich so kommen, schon im kommenden Jahr Realität sein. Um die oben genannten Limits und weitere Restriktionen zu überwachen, soll eine zentrale Stelle geschaffen werden in welcher all diese Daten gespeichert werden. Hier wird es, so hoffen wir, sehr viele Klagen gegen geben. Es ist für uns nur schwer vorstellbar, auf welcher rechtlichen Grundlage es dem Staat gestattet sein sollte derartige Informationen über seine Bürger zu sammeln. Man muss sich dies mal auf der Zunge zergehen lassen, in einem Land wo Webseiten Betreiber abgemahnt werden, weil Sie die Besucher ihrer Seite tracken anhand einer anonymisierten IP-Adresse, soll der Staat über jeden Cent den ein Bürger in Glücksspiel investiert informiert werden. Wir sind gespannt, wie die deutschen Gerichte dieses Thema bewerten.

Werbeverbot und deren Folgen durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag

Der nächste Punkt im Glücksspielstaatsvertrag, welchen wir ansprechen möchten ist das irrsinnige Werbeverbot. Laut dem neuen Glücksspielstaatsvertrag soll Werbung in TV, Radio und Internet zwischen 6 Uhr und 21 Uhr verboten sein. Sponsoring auf Banden oder auch Trikots hingegen ist erlaubt obwohl die allermeisten Spiele in genau dieser Uhrzeit laufen. Es ist absolut nicht zeitgemäß, Werbung im Internet auf irgendwelche Uhrzeiten zu beschränken.

Weiterhin findet man in § 5 Werbung unter Absatz 6 Folgendes:
Für Werbung für Glücksspiele, an denen gesperrte Spieler nach § 8 Absatz 2 nicht teilnehmen dürfen, im Internet, insbesondere in Form von Affiliate-Links, darf keine variable, insbesondere umsatz-, einzahlungs- oder einsatzabhängige, Vergütung vereinbart oder gezahlt werden.

Alleine dieser Absatz zeigt wie viel Unsinn, wirklich grober Unsinn in diesem neuen Glücksspielstaatsvertrag steckt. Es wird eine Sperrdatei geben, in welcher Spieler die gesperrt werden oder sich selbst sperren landen. Gesperrte Spieler können in legalen Casinos, welche an eben jene Sperrdatei angeschlossen sind nicht Spielen. Es ist also völlig unerheblich, ob ein gesperrter Spieler Werbung sieht oder nicht, in lizenzierten Casinos mit Anschluss an die Sperrdatei kann er nicht spielen. Wegen dieser gesperrten Spieler, welche in lizenzierten Casinos überhaupt nicht spielen könnten, untersagt man den Affiliates Werbung für seriöse Casino Angebote.

Verbietet man einem Getränkemarkt denn auch die Werbung für Alkohol, weil bekannt ist, dass es alkoholsüchtige Menschen gibt? Nein, das tut man nicht, weil die Werbung sich ja an eben jene richten soll, welche Alkohol bewusst genießen. Warum also wird beim Glücksspiel ein solcher Unfug gemacht und wieso kommt niemand der beteiligten darauf, was die Folgen dieses Irrsinns sind? Es ist ein Schwachsinn der seinesgleichen sucht und eine ganze Branche, nämlich die der online Casino Affiliates weiter im Schwarzmarkt hält. Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig, als dann Casinos zu bewerben, welche sich nicht an die Regeln halten und davon wird es auch in 2021 mehr als genug geben. Das angebliche Ziel, den Schwarzmarkt auszurotten erreicht man so nicht, ganz im Gegenteil, es werden in 2021 mehr wirklich unseriöse Anbieter beworben als jemals zuvor, dies ist schon heute als sicher zu bezeichnen, sollte es nicht deutliche Änderungen am Glücksspielstaatsvertrag geben. Möchte man wirklich was gegen illegale Angebote unternehmen, darf man besonders die Branche der Affiliates nicht in den Schwarzmarkt treiben. Da man selbst nicht in der Lage ist auf seriöse Ideen zu kommen, könnte man einfach mal einen Blick in die Länder werfen wo das Glücksspiel schon seit Jahren sehr gut geregelt ist. Da sind unter anderem England oder Dänemark zu nennen, auch dort gibt es Werberichtlinien, aber eben solche, die nicht das Vorhaben den Schwarzmarkt auszutrocknen torpedieren.

Einschränkungen für die Spieler

Neben dem oben genannten Limit, welches zunächst für jeden Spieler gilt, egal ob dieser 1500 Euro im Monat verdient oder zum Beispiel 50.000 Euro gibt es viele weitere Beschränkungen. Ein online Casino welches sich an den Glücksspielstaatsvertrag hält, darf seinen Spieler keine Tischspiele anbieten also Blackjack, Poker, Roulette usw. es darf somit auch kein Live Casino anbieten. Was übrig bleibt sind die Slots und auch hier gibt es dann wieder komplett wirre Beschränkungen. Der maximale Einsatz pr Spin/Spielrunde darf nur noch 1 Euro betragen und die Chance auf große Gewinne wurde ebenfalls genommen denn auch Jackpot Slots sind verboten. Na, haben Sie als Spieler noch lust auf eines der Casinos welche sich an die Regeln des Glücksspielstaatsvertrages halten?

Weitere Schwachsinnige Regeln im neuen Glücksspielstaatsvertrag

Unter anderem dürfen die Wörter Casino oder Casinos in allen Variationen von den Casinoanbietern nicht genutzt werden. Ein online Casino darf sich also nicht mehr online Casino nennen. Macht Sinn oder? Spiele wie Blackjack, Roulette oder andere Tischspiele dürfen nicht mehr angeboten werden, natürlich somit auch keine Live Casino Spiele. Der Grund hierfür? Vermutlich will man damit die vielzähligen staatlichen Spielbanken am Leben erhalten, doch auch dies wird nicht gelingen. Ein Spieler, welcher Blackjack spielen will und dies vorher online getan hat, der geht nun nicht in eine Spielbank, weil ein lizenziertes online Casino diese Spiele nicht anbieten darf, sondern wechselt wohin? Richtig! Er sucht sich einfach ein online Casino aus dem Schwarzmarkt, welche genau diese Lücke füllen werden.

Affiliates sind der Schlüssel um Spieler auf seriöse Angebote aufmerksam zu machen

Wenn ein Spieler nach seriösen Angeboten sucht, dann findet er diese zum Beispiel auf Vergleichsseiten. Diese Seiten sind generell für die Altersgruppe über 18 Jahren bestimmt und deren Besucher haben eine Suchintention, und zwar sich über seriöse Anbieter zu informieren. Hier sind der Jugend und Spielerschutz nur ein Vorwand, um diesen selten dämlichen Irrsinn mit dem Werbeverbot irgendwie zu rechtfertigen. Was würde denn passieren, würde dieser Unfug wirklich im neuen Glücksspielstaatsvertrag verankert werden? Die Vergleichsseiten für zum Beispiel online Casinos würden in keinem Fall verschwinden, es würde ganz einfach nur noch Werbung geschaltet werden für online Casinos aus dem Schwarzmarkt.

Nun könnte der Staat mit der brillanten Idee kommen und sagen, dann schalten wir diese Webseite, ab welche online Casinos aus dem Schwarzmarkt bewirbt. Dies aber wird genau so wenig funktionieren, wie die oben genannten Transaktionen zu illegalen Casinos zu verhindern, denn das Internet endet nicht an den deutschen Landesgrenzen. Weiterhin würde man mit dieser irrsinnigen Regelung eine ganze Branche in Deutschland ruinieren, und zwar die der Affiliates im Glücksspielbereich. Gerade diese Branche ist jedoch unerlässlich, um den Spielern legale Glücksspielangebote aufzuzeigen, und somit den Weg weg vom Schwarzmarkt zu ebnen. Würde man dieser Branche solche Steine in den Weg legen, bliebe ihr gar nichts anderes übrig als illegale Anbieter zu bewerben, da ihnen sonst der Bankrott droht.

Fazit zum neuen Glücksspielstaatsvertrag

Sollte der Glücksspielstaatsvertrag nicht an den oben genannten, sowie an vielen weiteren Stellen, deutlich abgeändert werden wird auch diese Fassung des Glücksspielstaatsvertrages wie bisher jede andere zuvor ein Rohrkrepierer. Es ist wirklich nicht zu begreifen, warum man nicht einfach das Modell aus Schleswig-Holstein übernommen hat, wo man doch schon lange Zeit weiß, dass man selbst einfach nicht fähig dazu ist eine vernünftige Lösung zu präsentieren. Denn eines ist Fakt, auch dieser Glücksspielstaatsvertrag ist nicht mal im Ansatz zu Ende gedacht. Wir würden es begrüßen, wenn es Nachbesserungen gibt und man für diese Leute ins Boot holt, die wissen, was sie tun. Ein Metzger ist schließlich auch nicht gleich ein Bäcker, nur weil dieser es schafft Aufbackbrötchen fertig zu backen. Dies sollte der Politik in Sachen Glücksspielstaatsvertrag so langsam klar werden. In der aktuellen Fassung wird dieser Glücksspielstaatsvertrag nur sehr kurz bestand haben, ehe er von Gerichten zerpflückt wird wie alle seine Vorgänger auch.

Grober Unfug
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte… Bild: Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1655658736