In der Nacht von Sonntag auf Montag steigt im Levi's Stadium in Santa Clara das größte Einzelsportereignis des Jahres: Super Bowl 60. Die New England Patriots treffen auf die Seattle Seahawks – ein Aufeinandertreffen zweier Teams, die in dieser Saison mit jeweils 14 Siegen und drei Niederlagen zu den konstantesten Mannschaften der NFL gehörten. Für die Patriots ist es die insgesamt zwölfte Super-Bowl-Teilnahme der Franchise-Geschichte, für die Seahawks geht es um die Krönung einer Saison als Nummer-eins-Seed der NFC. Ich schaue mir beide Teams genauer an und liefere dir meine Einschätzungen für dieses Endspiel.
Die Patriots und ihr Weg zum Super Bowl
New England hat eine der beeindruckendsten Kehrtwenden der jüngeren NFL-Geschichte hingelegt. Nach einer 4-13-Bilanz in der Vorsaison stehen die Patriots jetzt bei 17 Siegen und nur drei Niederlagen – inklusive der Playoffs. Dieser Sprung um 13 zusätzliche Siege ist der größte Anstieg von einer Saison zur nächsten in der Geschichte der Liga. Head Coach Mike Vrabel, der als Linebacker bereits drei Super Bowls mit den Patriots gewann, hat in seinem ersten Jahr als Cheftrainer den Turnaround geschafft.
Die Regular Season beendete New England mit 14 Siegen und drei Niederlagen auf Platz eins der AFC East. In den letzten beiden Spielen der regulären Saison dominierte das Team: 42:10 gegen die Jets und 38:10 gegen die Dolphins. Das sind zusammen 80 erzielte Punkte bei nur 20 Gegenpunkten – eine klare Ansage zum Saisonende.
Drake Maye als Schlüsselfigur der Offense
In den Playoffs zeigte sich New England vor allem defensiv von seiner besten Seite. 16:3 gegen die Chargers in der Wild Card Round, 28:16 gegen die Texans in der Divisional Round und 10:7 gegen die Broncos im Conference Championship. Die Defensive ließ in drei Playoff-Spielen insgesamt nur 26 Punkte zu – nur die Baltimore Ravens der Saison 2000 waren in drei Postseason-Partien vor einem Super Bowl noch stärker (16 Punkte).
Quarterback Drake Maye ist mit 23 Jahren der zweitjüngste Starting-Quarterback, der jemals einen Super Bowl erreicht hat. Im AFC Championship gegen Denver bewies er seine Vielseitigkeit: Bei Schnee und eisigen Temperaturen warf er zwar nur für 86 Yards, lief aber selbst für 65 Yards und erzielte den einzigen Touchdown der Patriots per 6-Yard-Keeper. In den entscheidenden Schlussminuten sicherte ein weiterer 7-Yard-Lauf von Maye bei Third-and-5 den Sieg. Offensiv liegt New Englands Stärke weniger im explosiven Passspiel – die Patriots erzielten ligaweit nur den 22. Platz in der Red-Zone-Effizienz. Dafür ist Maye ein Quarterback, der mit seinen Beinen Spiele entscheiden kann.
Seattle Seahawks in der Formanalyse – Die beste Defense der NFL
Die Seahawks waren in dieser Saison das Maß aller Dinge auf der defensiven Seite des Balls. Mit nur 17,1 zugelassenen Punkten pro Spiel stellte Seattle die beste Scoring Defense der gesamten Liga. Dazu kamen durchschnittlich nur 285,6 erlaubte Yards pro Partie – der sechstbeste Wert der NFL. Laut DVOA-Bewertung erreichten nur zwei andere Teams in den vergangenen acht Saisons einen höheren Defensiv-Wert als diese Seahawks-Defensive.
Die Regular Season schloss Seattle ebenfalls mit 14 Siegen und drei Niederlagen ab – Platz eins in der NFC West und der beste Record der gesamten NFC. Das brachte den Seahawks eine Bye Week in der ersten Playoff-Runde ein. Die letzten fünf Pflichtspiele zeigen die Konstanz des Teams: 38:37 gegen die Rams, 27:10 gegen die Panthers, 13:3 gegen die 49ers, 41:6 gegen die 49ers in der Divisional Round und 31:27 gegen die Rams im NFC Championship.
Sam Darnold und die Waffen der Seahawks-Offense
Offensiv steuert Sam Darnold das Spiel der Seahawks. Running Back Kenneth Walker III bildet das Rückgrat des Laufspiels – im Divisional-Round-Sieg gegen San Francisco erzielte er einen 2-Yard-Touchdown-Lauf zum frühen 7:0. Wide Receiver Jaxon Smith-Njigba hat sich zur vielleicht wichtigsten Passwaffe entwickelt. Im NFC Championship fing er unter anderem einen 42-Yard-Pass und einen 14-Yard-Touchdown noch vor der Halbzeit. Sein Zusammenspiel mit Darnold funktioniert vor allem auf kurzen und mittleren Distanzen, wo er durch seine Beweglichkeit regelmäßig Freiräume findet.
Die Pass-Rush-Abteilung um Demarcus Lawrence und Leonard Williams jagt gegnerische Quarterbacks effektiv. Drake Maye wurde in den Playoffs bereits 15-mal gesackt – ein Wert, der gegen Seattles Defensive Line zum echten Problem werden könnte. Im Conference Championship gegen die Rams kombinierte Seattle Offense und Defense zu 875 gemeinsamen Yards beider Teams – ein Zeichen dafür, dass diese Mannschaft auch in einem offensiven Shootout bestehen kann. Die Seahawks gehen als 4,5-Punkte-Favoriten in den Super Bowl.
New England Patriots - Seattle Seahawks Wett-Tipps
Als ersten Wett-Tipp für Super Bowl 60 empfehle ich: Drake Maye erzielt einen Rushing Touchdown. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand. Maye hat in dieser Postseason bereits bewiesen, dass er mit seinen Beinen Spiele entscheiden kann. Im AFC Championship gegen die Broncos erzielte er den einzigen Touchdown der Patriots per 6-Yard-Lauf in die Endzone. Er kam in diesem Spiel auf 65 Rushing Yards. Schon in der Divisional Round gegen die Texans und im Sieg gegen die Chargers war Mayes Mobilität ein zentrales Element des Gameplans.
New Englands Offense liegt, wie erwähnt, auf dem 22. Platz in der Red-Zone-Effizienz. Das bedeutet: Wenn die Patriots in die Redzone kommen, tun sie sich schwer, den Ball per Passspiel in die Endzone zu bringen. Genau hier kommt Mayes Laufstärke ins Spiel. In einem Spiel, in dem es um alles geht, wird Maye noch mehr Risiko eingehen.
Seattle auf der anderen Seite verteidigt den Lauf zwar insgesamt stark, doch mobile Quarterbacks stellen für jede Defense eine besondere Herausforderung dar. Wenn die Defensive Line auf den Pass rusht und Maye aus der Pocket ausbricht, entstehen Lücken, die ein athletischer Quarterback ausnutzen kann. Der 7-Yard-Keeper in den Schlussminuten des AFC Championships – bei Third-and-5 – zeigte exakt dieses Muster. Maye liest die Defense, erkennt die Lücke und macht die entscheidenden Yards selbst. Für den Super Bowl erwarte ich mindestens einen weiteren solchen Lauf in die Endzone.
Tipp 2: Über 45,5 Gesamtpunkte
Meine zweite Empfehlung ist eine Over-Wette auf über 45,5 Gesamtpunkte. Ein Blick auf die letzten Regular-Season-Spiele der Patriots macht das deutlich. 42:10 gegen die Jets, 38:10 gegen die Dolphins – allein in diesen beiden Partien erzielte New England 80 Punkte. In der Divisional Round gegen Houston fielen insgesamt 44 Punkte (28:16). Die Patriots sind also durchaus in der Lage, offensiv zu explodieren, wenn der Gegner Schwächen zeigt. Auf der anderen Seite kassierten sie im AFC Championship nur 7 Punkte – doch da spielte Denver mit Backup-Quarterback Jarrett Stidham, der seinen ersten Start seit über zwei Jahren absolvierte. Zudem waren die Wetterbedingungen mit starken Schneefall nicht wirklich Optimal für das Passspiel.
Seattles Offense ist eine völlig andere Hausnummer. Im Divisional-Round-Sieg gegen San Francisco erzielten die Seahawks 41 Punkte. Im NFC Championship gegen die Rams fielen auf beiden Seiten insgesamt 58 Punkte (31:27). Darnold warf in diesem Spiel gegen eine starke Rams-Defense, während Puka Nacua auf 165 Receiving Yards kam und Rams-Quarterback Matthew Stafford 374 Passing Yards sammelte. Wenn selbst die unterlegene Mannschaft 27 Punkte erzielt, zeigt das: Gegen Seattles Offense braucht man selbst Punkte, um mitzuhalten.
Die Patriots werden im Super Bowl offensiver spielen müssen als in ihren bisherigen Playoff-Spielen. Gegen die Chargers und Broncos reichten 16 und 10 Punkte – gegen Seattle wird das nicht genügen. Vrabel weiß, dass sein Team gegen die beste Scoring Defense der NFL kreativ werden muss. Gleichzeitig hat Seattle in den letzten fünf Spielen nie weniger als 13 Punkte erzielt (13:3 gegen die 49ers) und in vier der fünf Partien 27 oder mehr Punkte geholt. Bei einem erwarteten Spielverlauf, in dem beide Teams zwischen 20 und 30 Punkten landen, ist die Marke von 45,5 Gesamtpunkten realistisch zu knacken.
Super Bowl 60 Prognose – Patriots vs. Seahawks am 09. Februar 2026
Beide Franchises haben eine starke Saison gespielt und den Weg in den Super Bowl verdient. Doch die Unterschiede werden im direkten Duell sichtbar. Seattle bringt mit der besten Scoring Defense der Liga, einer vielseitigen Offense um Darnold, Walker III und Smith-Njigba sowie der Heimnähe in Kalifornien die besseren Voraussetzungen mit. Die 4,5 Punkte Favoritenstellung sind nachvollziehbar.
New England lebt von seiner Playoff-Defense und Mayes Fähigkeit, Spielzüge mit seinen Beinen zu verlängern. Der Turnaround unter Vrabel ist beeindruckend, doch der leichte Spielplan in der Regular Season wirft Fragen auf, wie gut dieses Team gegen Elite-Gegner wirklich besteht. Die Seahawks waren in dieser Saison gegen hochkarätige Gegner konstant – 41:6 gegen die 49ers in den Playoffs und 31:27 in einem engen NFC Championship gegen die Rams beweisen das. Deshalb denke ich, dass die Seahawks am Ende als Sieger vom Platz gehen werden.