US-Justizministerium untersucht NFL wegen TV-Verträgen

Autor Dennis
NFL DOJ

Das US-Justizministerium (Department of Justice, DOJ) hat eine Kartelluntersuchung gegen die NFL eingeleitet. Im Zentrum steht die Frage, ob die Liga mit ihren TV-Verträgen gegen wettbewerbsrechtliche Vorgaben verstößt, weil Zuschauer für bestimmte Spiele Subscription-Gebühren zahlen müssen. Das bestätigten Quellen gegenüber ABC News, nachdem das Wall Street Journal den Fall zuerst gemeldet hatte. Nature und Umfang der Ermittlungen sind laut WSJ noch unklar.

Ein Regierungsvertreter begründete den Schritt gegenüber ABC News mit den Worten: "This is about affordability and creating an even playing field for providers." Das Justizministerium selbst lehnte auf Anfrage einen Kommentar ab.

Kartell-Ausnahme gilt nur für Free-TV

Grundlage der laufenden Prüfung ist der Sports Broadcasting Act aus dem Jahr 1961. Dieser gewährt der NFL eine Kartell-Ausnahme für das Verhandeln ihrer TV-Verträge, allerdings ausdrücklich nur für Broadcast-Fernsehen. Gerichte haben in früheren Urteilen entschieden, dass die Ausnahme weder für Kabel- noch für Satelliten- oder Streaming-Angebote gilt.

Aktuell bestehen Deals mit ESPN/ABC, NBC Sports, CBS Sports, Prime Video und Netflix. Ein Subscription-Zugang ist unter anderem erforderlich für Monday Night Football auf ESPN, wenn es nicht parallel auf ABC läuft, für Thursday Night Football und das Black-Friday-Spiel auf Prime Video sowie für die Christmas Games auf Netflix. Einige internationale Spiele werden zudem auf NFL Network gezeigt, das inzwischen zu ESPN gehört. Auch ausgewählte Postseason-Partien sind kostenpflichtig. In den lokalen Märkten der jeweils spielenden Teams laufen sämtliche Partien weiterhin gratis im frei empfangbaren Fernsehen.

NFL verweist auf Reichweite im Free-TV

Die Liga reagierte am Donnerstag mit einem schriftlichen Statement. Das Distributionsmodell sei das fan- und broadcaster-freundlichste in der gesamten Sport- und Entertainment-Branche, so die NFL. Mehr als 87 Prozent aller Spiele liefen im frei empfangbaren Broadcast-TV, 100 Prozent in den Märkten der beteiligten Teams. Die Saison 2025 sei die meistgesehene seit 1989 gewesen, was die Stärke und breite Verfügbarkeit des Modells unterstreiche.

Angestoßen wurde die politische Debatte maßgeblich von Senator Mike Lee (R-Utah), dem Vorsitzenden des Unterausschusses für Antitrust und Wettbewerbspolitik im Senate Judiciary Committee. Lee hatte am 3. März einen Brief an das DOJ und die Federal Trade Commission geschickt und darin eine Überprüfung gefordert. In dem Schreiben argumentierte er, Football-Fans hätten zuletzt nahezu 1.000 Dollar für Kabel- und Streaming-Abonnements ausgegeben, um die Spiele zu sehen. Forbes schätzte die Kosten, um in der vergangenen Saison jedes NFL-Spiel via Streaming zu verfolgen, auf 765 Dollar.

In einem Post auf X begrüßte Lee die Untersuchung. Die moderne Distributionslandschaft unterscheide sich substanziell von den Bedingungen, unter denen die Kartell-Ausnahme einst beschlossen worden sei. Wenn gemeinsam lizenzierte Spiel-Pakete hinter Subscription-Paywalls lägen, entsprächen diese Arrangements möglicherweise nicht mehr dem ursprünglichen Konzept.

Milliardenumsätze und ein altes Urteil im Hintergrund

Die NFL verdient durchschnittlich rund elf Milliarden Dollar pro Saison aus ihren Media-Deals. Diese Summe könnte weiter steigen, weil der Verkauf von Paramount an Skydance Media der Liga eine Neuverhandlung des CBS-Deals erlaubt. Die bestehenden Verträge laufen bei den meisten Partnern bis 2033, mit ESPN bis 2034. Die Liga hat eine Opt-out-Klausel nach der Saison 2029, die sie voraussichtlich ziehen wird. 2025 waren laut Nielsen 83 der 100 meistgesehenen Broadcasts in den USA NFL-Spiele.

Bereits 2024 hatte eine Jury am US District Court in Los Angeles entschieden, dass die NFL mit der Verbreitung von Out-of-Market-Spielen über den Sunday-Ticket-Premium-Dienst gegen Kartellrecht verstoßen habe. Die Geschworenen sprachen 4,7 Milliarden Dollar Schadensersatz zu. Ein Bundesrichter kippte das Urteil später wegen methodischer Mängel bei den Aussagen zweier Zeugen. Die Sammelklage umfasste 2,4 Millionen private Abonnenten und 48.000 Geschäftskunden, die zwischen 2011 und 2022 DirecTVs Sunday-Ticket-Paket abonniert hatten. Weil Schadensersatz nach US-Kartellrecht verdreifacht werden kann, hätte die NFL rechnerisch für mehr als 14 Milliarden Dollar haften können. Der Sunday Ticket wird inzwischen über YouTube TV verbreitet.