Andre Carter II trägt das Silver & Black der Las Vegas Raiders. Er steht nicht im Rampenlicht, doch seine Geschichte passt perfekt zu diesem Team: rau, kämpferisch, unerschrocken. Carter II ist Defensive End, Teil der Rotation an der Line – ein Arbeiter, kein Star. Doch was ihn ausmacht, ist sein Weg: vom Rekordspieler an der US Military Academy zu einem der größten Kämpfer unter den Undrafted Free Agents der NFL. Wer die NFL liebt, weiß: Hier kommt niemand zufällig hin. Carter II hat sich alles erarbeitet – und sein Job ist noch lange nicht sicher.
Seine Rolle im Team ist klar definiert. Carter II bringt mit 1,98 Metern und 116 Kilo die nötige Physis für die Defensive Line. Er wird in der Rotation eingesetzt, als Ergänzung zu den etablierten Pass Rushern. Schnelle, kräftige Hände, ein langer Frame und der unbedingte Wille, jeden Snap zu gewinnen – das ist sein Markenzeichen. Die Raiders setzen auf ihn, weil er genau das verkörpert, was sie brauchen: einen Spieler, der nie aufgibt und jede Gelegenheit nutzt. Doch was macht einen wie Carter II ausgerechnet bei den Raiders interessant? Die Antwort liegt in seiner Vorgeschichte, die anders ist als bei fast jedem anderen NFL-Profi.
Diese Leistung kam nicht von ungefähr. Der Grundstein wurde schon früh gelegt – und zwar an einem Ort, der für Disziplin, Härte und Pflichtbewusstsein steht: West Point, die US Military Academy. Hier beginnt die eigentliche Geschichte von Andre Carter II.
Vom Army-Sack-Leader in die NFL: Der harte Übergang
Carter II spielte College Football für die Army Black Knights. Dort schaffte er, wovon viele nur träumen. In der Saison 2021 stellte er einen neuen Schulrekord auf: 15,5 Sacks – die zweithöchste Zahl in der gesamten FBS in diesem Jahr. Er wurde als Third-Team All-American ausgezeichnet. Doch was auf dem Feld glänzte, war abseits davon ein ständiger Balanceakt. Als Army-Absolvent musste Carter II nicht nur Football spielen, sondern auch seine militärischen Verpflichtungen erfüllen. Wer an der US Military Academy graduiert, hat einen Dienstvertrag – und der Weg in die NFL ist alles andere als selbstverständlich.
Für Carter II bedeutete das: Während andere College-Stars auf den Draft schielten, rang er mit Behörden und Regularien. Die Frage: Darf er direkt in die NFL, oder muss er erst Jahre Dienst leisten? Diese Unsicherheit prägte sein letztes College-Jahr. Trotz seiner Zahlen und Auszeichnungen blieb Carter II im Draft außen vor. Keines der 32 Teams griff zu. Viele Experten waren überrascht, doch für Insider war klar: Die Unwägbarkeiten rund um seinen Dienst machten ihn für viele Franchises zum Risiko.
Doch Carter II ließ sich nicht entmutigen. Nach dem Draft bekam er die Chance, als Undrafted Free Agent bei den Minnesota Vikings zu unterschreiben. Damit begann der nächste, noch härtere Abschnitt seiner Karriere. Der Wechsel in die NFL – für Carter II war das nicht nur sportlich, sondern auch mental eine neue Welt.
Der lange Kampf um Anerkennung: Von Minnesota nach Las Vegas
Sein erstes Jahr in der NFL war ein Test auf vielen Ebenen. Carter II schaffte es ins aktive Roster der Vikings und kam in zwölf Spielen zum Einsatz. Die Statistiken waren überschaubar – zwei kombinierte Tackles, keine Sacks. Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. In jedem Snap musste Carter II zeigen, dass er mehr ist als ein Lückenfüller. Die Konkurrenz um die wenigen Plätze im Kader ist hart – gerade für einen Undrafted Free Agent mit Army-Vergangenheit.
Nach seiner Rookie-Saison wurde Carter II von den Vikings zunächst aus dem Kader gestrichen und ins Practice Squad verschoben. Für viele Spieler ist das ein Rückschlag, der das Karriereende einleitet. Doch Carter II blieb dran. Seine Einstellung, geprägt von den Jahren in West Point, half ihm: Disziplin, Routine, kein Jammern. Er trainierte weiter, wartete auf die nächste Chance – und sie kam.
Die Las Vegas Raiders holten ihn aus dem Practice Squad der Vikings. Für Carter II war das nicht nur ein Tapetenwechsel, sondern ein echter Durchbruch. Er bekam Spielzeit in der Defensive Line, sammelte in den ersten drei Einsätzen für die Raiders einen kombinierten Tackle und den ersten halben Sack in seiner NFL-Karriere. Kein großes Highlight für die Statistik, aber ein Zeichen: Carter II ist angekommen. Er weiß, wie schnell sich alles ändern kann – und dass jeder Snap zählt.
Was hat ihn durchhalten lassen? Es ist die Mentalität, die er aus West Point mitgenommen hat. Kein anderer NFL-Spieler seiner Generation musste so sehr zwischen zwei Welten pendeln: der Disziplin des Militärs und dem gnadenlosen Konkurrenzdruck der NFL. Heute profitiert er von diesen Erfahrungen – und die Raiders wissen das zu schätzen.
Der Mensch hinter dem Helm: Zahlen, Werte, Motivation
Carter II ist kein Lautsprecher. Er arbeitet im Hintergrund, spricht selten über sich selbst. Doch wer mit Coaches oder Mitspielern spricht, hört immer wieder das Gleiche: Dieser Spieler gibt nie auf. Er kommt pünktlich, trainiert hart, ist immer vorbereitet. Seine Körpermaße – 1,98 Meter, 116 Kilo – machen ihn zu einem Idealtyp für seine Position. Doch entscheidend ist sein Mindset: Carter II weiß, dass er jeden Tag wieder um seinen Platz kämpfen muss.
Station | Spiele | Tackles (komb.) | Sacks | Besonderheiten |
---|---|---|---|---|
Army | 13 | 44 | 15,5 | FBS #2, Army-Rekord |
Vikings | 12 | 2 | 0 | Rookie-Saison |
Raiders (seit 2024) | 3 | 1 | 0,5 | Erster halber Sack |
Die Zahlen zeigen: Carter II war im College ein Ausnahmetalent. In der NFL sind die Werte bescheidener – aber jeder Einsatz ist hart erarbeitet. Seine College-Rekorde sind bis heute unerreicht. Die Ausbildung in West Point hat ihn geprägt: Disziplin, Teamgeist, Durchhaltewille. Diese Eigenschaften helfen ihm, sich Tag für Tag in der NFL zu behaupten.
Abseits des Platzes bleibt Carter II bodenständig. Er stammt aus Kalifornien, besuchte die Cheshire Academy in Connecticut, bevor er nach West Point ging. Über seine Familie ist wenig bekannt – Carter II hält sein Privatleben aus der Öffentlichkeit heraus. Was ihn antreibt, ist der Wunsch, sich selbst und allen Kritikern zu beweisen, dass sein Weg in die NFL kein Zufall war. Die Raiders-Coaches loben seine Einstellung: „Andre ist immer bereit, alles zu geben. Er hat die richtige Mentalität – und das macht ihn wertvoll für jede Defense.“
Die nächste Etappe: Was kommt für Andre Carter II?
Die NFL ist ein Geschäft, in dem nur Leistung zählt. Carter II weiß, dass er sich bei den Raiders nicht ausruhen kann. Die Konkurrenz ist groß, die Anforderungen hoch. Doch er hat sich einen Platz in der Rotation erarbeitet – und das ist mehr, als viele Undrafted Free Agents je schaffen. Die kommende Saison bringt neue Herausforderungen: Mehr Spielzeit, mehr Verantwortung, vielleicht die Chance auf einen festen Platz in der Starting Defense.
Was macht Carter II zu einem Spieler, auf den man achten sollte? Es ist seine Geschichte. Kein anderer Defensive End im Kader hat diesen Weg hinter sich. Vom Army-Rekordmann zum Außenseiter in der NFL, vom Practice Squad zu den Raiders – Carter II steht für Disziplin, Ausdauer und den unbedingten Willen, sich durchzusetzen. Er ist kein Star, aber ein Vorbild für alle, die nicht aufgeben. Seine Zeit bei Army hat ihn auf das vorbereitet, was in der NFL zählt: Jeder Tag ist ein Wettkampf, jeder Snap eine neue Chance.
Wer nach Vorbildern für Durchhaltevermögen sucht, wird bei Andre Carter II fündig. Sein Weg ist noch lange nicht zu Ende. Die Raiders setzen auf seinen Kampfgeist – und Carter II wird alles tun, um seinen Platz in der härtesten Football-Liga der Welt zu verteidigen.