Chris Collier trägt heute das Trikot der Las Vegas Raiders. Als Running Back und Special Teamer hat er sich in der NFL einen Platz erarbeitet, den ihm nach seinem College-Abschluss kaum jemand zugetraut hätte. Wer auf den Kader der Raiders blickt, findet Collier nicht im Rampenlicht, aber als festen Bestandteil eines Teams, das auf Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit setzt. Seine Geschichte ist die eines Spielers, der nie aufgegeben hat – und der weiß, wie es ist, immer wieder unterschätzt zu werden.
Collier steht für eine Sorte Football-Spieler, die in der NFL selten Schlagzeilen macht: Spätstarter, die ihren Traum mit Geduld und harter Arbeit verfolgen. Heute ist er mehr als nur ein Name auf dem Depth Chart. Er ist der Beweis dafür, dass sich auch abseits der großen College-Programme und abseits der ersten Draft-Runden ein Weg in die beste Football-Liga der Welt finden lässt. Sein Weg dorthin war lang und voller Hürden – und genau das macht seine Geschichte so besonders.
Doch wie kommt ein Spieler, der weder als High School-Star noch als College-Held im Fokus stand, bis in den aktiven Kader der Raiders? Die Antwort liegt in Colliers Beharrlichkeit, seiner Vielseitigkeit und der Bereitschaft, immer wieder von vorn zu beginnen.
Vom Practice Squad zur NFL: Colliers erste Schritte als Profi
Colliers Einstieg in die NFL verlief alles andere als geradlinig. Nach einer starken Saison an der Lock Haven University, in der er mit über 1.300 Rushing Yards und zwölf Touchdowns für Aufsehen sorgte, blieb sein Name im NFL Draft ungenannt. Während viele seiner College-Kollegen sich auf ihre ersten Profi-Verträge freuen konnten, musste Collier weiter warten. Doch für ihn war klar: Der Traum ist noch nicht ausgeträumt.
Seine erste Chance kam bei den Baltimore Ravens. Als Undrafted Free Agent unterschrieb Collier einen Vertrag, der ihm zumindest die Tür zum Profi-Football öffnete. Die ersten Monate waren geprägt von Unsicherheit: Practice Squad statt Spieltagskader, Trainingsplatz statt NFL-Stadion. Doch als die Möglichkeit kam, nutzte Collier sie. Als Kick Returner durfte er erstmals NFL-Luft schnuppern und zeigte in wenigen Einsätzen, dass auf ihn Verlass ist. Fünf Carries für zwölf Yards, dazu ein Catch und mehrere Kick Returns – es sind keine Zahlen für die Geschichtsbücher, aber es sind die ersten Spuren, die Collier in der Liga hinterlässt.
Der Weg war damit noch lange nicht gesichert. Nach wenigen Wochen folgte die Entlassung. Für viele Spieler das Ende des Traums – für Collier nur eine neue Herausforderung. Noch im selben Jahr fanden die Las Vegas Raiders in ihm genau den Typ Spieler, der im Kader fehlte: ein Running Back, der sich auch auf den Special Teams für die Mannschaft einsetzt, der keine Rolle scheut und bereit ist, jeden Tag neu zu kämpfen. Collier wurde zunächst in den Practice Squad aufgenommen, dann in den aktiven Kader befördert. Seine ersten Einsätze bei den Raiders kamen schnell, seine Aufgaben waren vielfältig – und jedes Play wurde zur nächsten Chance.
Nach diesen ersten NFL-Erfahrungen lohnt sich ein Blick auf Colliers langen Weg dorthin. Wer ihn heute auf dem Feld sieht, erkennt einen Spieler, der gelernt hat, sich durchzubeißen – weil er es nie anders kannte.
Vom High School-Hoffnungsträger zum Außenseiter: Der lange Weg durchs College
Chris Colliers Football-Reise begann in Lawrence, New York. An der Lawrence High School war er als Running Back kaum zu stoppen: Über 1.800 Yards und 25 Touchdowns in seinem Abschlussjahr zeigten früh sein Talent. Doch eine Knieverletzung bremste ihn aus – und mit ihr schwand das Interesse der großen College-Programme. Für Collier hieß das: Neustart an der Nassau Community College. Hier sammelte er erste Erfahrungen auf dem nächsten Level, doch der Sprung ins Rampenlicht blieb aus.
Der Wechsel ans Wagner College brachte mehr Aufmerksamkeit, aber noch immer keine Einladung von den Scouts der großen Football-Welt. Erst an der Lock Haven University gelang Collier das, woran er selbst immer geglaubt hatte: ein Ausrufezeichen setzen. Mit über 1.300 Rushing Yards und zwölf Touchdowns im letzten College-Jahr wurde er zum All-American gewählt – eine Ehrung, die nur wenigen Spielern aus kleinen Programmen zuteil wird. Collier war damit der erste Spieler von Lock Haven seit den 1980er Jahren, der sich für die NFL empfahl. Doch selbst diese starke Saison reichte nicht für einen Platz im Draft. Wieder musste Collier auf eine Einladung hoffen, wieder musste er sich beweisen, wo andere längst einen Platz sicher hatten.
Diese Erfahrungen prägten seinen Stil. Collier ist kein Spieler, der sich auf Statistiken verlässt. Er weiß, wie es ist, nach Verletzungen zurückzukommen, sich durchzusetzen, wenn niemand zuschaut, und das Beste aus jeder neuen Situation zu machen. Heute profitiert er von diesen Jahren der Ungewissheit – und nutzt jede Chance, die sich ihm bietet.
Neue Chancen und alte Tugenden: Collier kämpft sich in den Kader
Nach dem College war Colliers Name in der NFL kaum bekannt. Doch die Ravens gaben ihm eine Chance, weil sie genau das in ihm sahen: einen Spieler, der sich nicht zu schade ist, auf dem Practice Squad zu arbeiten, der für jedes Special Teams Play alles gibt und der immer wieder bereit ist, sich neu zu beweisen. Nach seiner Zeit in Baltimore stand Collier wieder vor dem Nichts – doch die Raiders wurden auf ihn aufmerksam.
Der Wechsel nach Las Vegas wurde für Collier zur zweiten Chance. Im Practice Squad startete er erneut von ganz unten. Doch schon nach wenigen Wochen durfte er sich im aktiven Kader beweisen. Drei Einsätze, fünf Carries, dazu wichtige Snaps in den Special Teams – Collier zeigte, dass er bereit ist, jede Rolle anzunehmen. Sein Beispiel steht für viele Spieler, die nicht über Nacht zu NFL-Stars werden, sondern sich ihren Platz über Jahre erarbeiten. Dass Collier als erster Lock Haven-Absolvent seit Jahrzehnten wieder einen Fuß in die NFL setzte, spricht für seinen Ehrgeiz – und für seine Fähigkeit, sich immer wieder neu zu motivieren.
Statistik | Wert |
---|---|
Rushing (Carries/Yards) | 5/12 |
Receiving (Receptions/Yards) | 1/-4 |
Kick Returns (Anzahl/Yards) | 12/286 |
Körpergröße/-gewicht | 5'11" / 210 lbs (180 cm / 95 kg) |
Vertragsdaten (Ravens, ursprünglich) | 3 Jahre, 2,8 Mio. USD |
Die Zahlen zeigen, dass Collier nicht von heute auf morgen zum Star wurde. Doch gerade in den Special Teams ist er für die Raiders Gold wert – zuverlässig, vielseitig und immer bereit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Seine Körpermaße und sein Spielstil machen ihn zu einem klassischen Power Back, der auch im Kontakt nicht zurückscheut.
Colliers Gegenwart: Rolle, Perspektive und das Vorbild Underdog
Heute steht Collier als Backup-Running Back und Special Teamer im Kader der Las Vegas Raiders. Seine Hauptaufgaben liegen auf den Special Teams, wo er sich als Kick Returner und Allrounder einen Namen gemacht hat. Im Backfield kommt er vor allem in kurzen Situationen zum Einsatz, doch sein Wert für das Team geht weit über Statistiken hinaus. Collier gilt als Teamplayer, der sich in jede Aufgabe einfügt und durch Zuverlässigkeit überzeugt.
Seine Perspektive ist offen. Mit seiner Vielseitigkeit kann er sich für größere Aufgaben empfehlen, gerade wenn Verletzungen im Kader auftreten oder Veränderungen im Spielsystem anstehen. Die Raiders wissen, was sie an ihm haben: einen Spieler, der nie aufgibt, der jede Rolle akzeptiert und immer wieder bereit ist, sich neu zu beweisen. Für Collier selbst bleibt der Traum, sich langfristig in der NFL zu halten – und vielleicht irgendwann mehr als nur ein Backup zu sein.
Chris Colliers Weg ist ein Beispiel für viele junge Spieler, die im Schatten der großen Namen stehen. Er zeigt, dass Durchhaltevermögen und Einsatz sich auszahlen können – auch wenn der Weg dorthin steinig ist. Vom übersehenen High School-Talent über kleine Colleges bis in den Kader der Raiders: Collier hat sich seinen Platz in der NFL verdient. Seine Geschichte ist noch nicht zu Ende – aber schon jetzt steht fest, dass sie anderen Underdogs Mut machen kann.