Ethan Pocic steht heute im Mittelpunkt der Cleveland Browns-Offensive. Als Starting Center verkörpert er Stabilität und Zuverlässigkeit – Attribute, die ihm in den ersten Jahren seiner NFL-Karriere oft abgesprochen wurden. Nach einer langen Phase voller Verletzungen und wechselhafter Einsatzzeiten hat sich Pocic in Cleveland endgültig durchgesetzt. Sein Weg dorthin war alles andere als geradlinig: Zwischen Hoffnung, Rückschlägen und einer letzten großen Chance reifte aus dem vielseitigen Lineman ein echter Anker der Offensive Line.
Viele NFL-Fans kennen die Namen der Quarterbacks, Running Backs oder Wide Receiver. Doch im Zentrum des Spiels steht einer, der selten im Rampenlicht steht: der Center. Für die Browns ist dieser Mann längst keine Randfigur mehr. Ethan Pocic, 1,98 Meter groß, 145 Kilo schwer, trägt die Verantwortung für die Snaps, die Calls an der Line und den Schutz seines Quarterbacks. Dieser Status war für ihn lange keine Selbstverständlichkeit. Erst nach mehreren Saisons als Ersatzspieler und schwierigen Jahren in Seattle gelang ihm der Durchbruch. Heute ist Pocic nicht nur Starter, sondern auch einer der verlässlichsten Bausteine in Cleveland – der Inbegriff eines Spätstarters in der NFL.
Doch diese Entwicklung kam nicht über Nacht. Wer Pocics Geschichte verfolgt, erkennt schnell: Der Weg zum Stammspieler war lang, steinig und voller Hindernisse.
Vom Rollenspieler zum Leistungsträger: Pocics späte Blüte in Cleveland
Für viele NFL-Spieler entscheidet sich die Karriere in den ersten Jahren. Wer früh überzeugt, bleibt oben – wer verletzt fehlt oder schwächelt, rutscht schnell in die zweite Reihe. Ethan Pocic kennt beide Seiten. Nach fünf Jahren in Seattle, geprägt von Verletzungen und wechselnden Rollen, schien sein Weg in der Liga bereits vorgezeichnet: wertvoll als Backup, aber kein unverzichtbarer Stammspieler.
Erst der Wechsel zu den Browns brachte die Wende. Nach seinem Einjahresvertrag rückte Pocic sofort in die Startformation. Plötzlich zählte das Team auf ihn – und er zahlte das Vertrauen mit starken Leistungen zurück. In seinem ersten Jahr in Cleveland absolvierte er jedes Spiel als Starter, zeigte kaum Schwächen im Pass-Blocking und überzeugte mit klaren Ansagen an der Line. Die Folge: Die Verantwortlichen verlängerten seinen Vertrag um drei Jahre und setzten damit ein klares Zeichen. Pocic war nicht länger nur Notlösung, sondern feste Größe im Zentrum der Offensive Line.
Was machte diesen späten Durchbruch möglich? Zum einen die endlich ausbleibenden Verletzungen, zum anderen die Erfahrung aus Jahren als Allzweckwaffe in Seattle. Pocic hatte in seiner Karriere fast jede Position zwischen Guard und Center gespielt, immer wieder eingesprungen, wenn es nötig war. Diese Vielseitigkeit zahlte sich aus: In Cleveland profitierte er von der Routine, die er sich über Jahre als Rollenspieler erarbeitet hatte. Plötzlich war er derjenige, der das Spiel ordnete und die Offensive zusammenhielt.
Doch der Grundstein für diesen Erfolg wurde schon viel früher gelegt – in Illinois, auf dem College und in den ersten NFL-Jahren.
Von Lemont nach Louisiana: Pocics langer Anlauf in die NFL
Wer heute auf Ethan Pocic blickt, sieht einen Spieler, der seinen Platz gefunden hat. Doch sein Weg begann weit entfernt von NFL-Stadien. In Lemont, einem Vorort von Chicago, sammelte Pocic erste Erfahrungen mit Football – unterstützt von einer sportlichen Familie. Sein älterer Bruder Graham spielte ebenfalls als Center, allerdings am College in Illinois. Die Leidenschaft für Football lag also in den Genen.
Nach der High School führte ihn sein Weg an die Louisiana State University. Dort entwickelte sich der junge Lineman zum Leistungsträger. Schon im zweiten Jahr wurde er ins Second-Team All-SEC gewählt, ein Jahr später folgte die Auszeichnung als First-Team All-American. In seinem Abschlussjahr war er sogar Finalist für die Rimington Trophy, die jährlich an den besten Center des College-Footballs vergeben wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt galt Pocic als einer der vielversprechendsten Linemen seines Jahrgangs.
Im Draft wurde er in der zweiten Runde von den Seattle Seahawks ausgewählt. Die Erwartungen waren hoch: Ein vielseitiger, technisch starker Center sollte die Line der Seahawks verstärken. Pocic startete direkt durch, spielte in seiner ersten Saison alle 16 Spiele und wurde ins PFWA All-Rookie Team berufen. Doch dann begann eine Phase, die viele Spieler aus der Bahn geworfen hätte.
Verletzungen, Positionswechsel und die ständige Konkurrenz um einen Stammplatz prägten seine Zeit in Seattle. Mal als Guard, mal als Center, immer wieder auf der Suche nach Konstanz – Pocic musste Geduld beweisen. Zwei schwere Verletzungen warfen ihn zurück, zwangen ihn auf die Injured Reserve Liste. Die Rolle als Backup wurde zum Alltag. Doch Pocic gab nicht auf.
Diese Erfahrungen formten ihn als Profi. Der ständige Wechsel zwischen Startelf und Ersatzbank, die Arbeit an verschiedenen Positionen – all das bereitete ihn auf das vor, was später in Cleveland von ihm verlangt wurde. Doch zunächst drohte seine Karriere zu stagnieren. Erst der Wechsel brachte die entscheidende Wendung.
Neustart in Cleveland: Aus Rückschlägen wird Stärke
Nach fünf Jahren in Seattle stand Pocic vor einer wichtigen Entscheidung. Die Zeit als Allzweckwaffe war vorbei, die Verletzungen hatten Spuren hinterlassen. Viele Außenstehende rechneten damit, dass er in der NFL nur noch als Backup eine Rolle spielen würde. Doch die Browns eröffneten ihm eine neue Perspektive.
Mit einem Einjahresvertrag holte Cleveland den erfahrenen Center ins Team – zunächst als Absicherung, dann als Starter. Die Chance kam schneller als gedacht: Pocic rückte in die Startformation und überzeugte auf Anhieb. Plötzlich war von Verletzungspech keine Spur mehr. Woche für Woche zeigte er starke Leistungen, blieb konstant und fehlerfrei. Die Offensive Line der Browns profitierte von seiner Ruhe, seiner Übersicht und seiner Routine aus den Jahren als Ersatzmann.
Die Belohnung folgte auf dem Fuß: Mit einem neuen Dreijahresvertrag setzte das Team auf Kontinuität und Erfahrung. Pocic war jetzt nicht mehr nur Lückenfüller – er war der Mann, dem die Browns die Mitte ihrer Line anvertrauten. Für einen Spieler, der jahrelang um jede Einsatzminute kämpfen musste, war das die späte Anerkennung seiner Arbeit.
Jahr | Team | Spiele/Starts | Auszeichnungen | Vertrag/Cap Hit |
---|---|---|---|---|
2017–2021 | Seattle Seahawks | 57/40 | PFWA All-Rookie Team | Rookie-Vertrag |
2022 | Cleveland Browns | 17/17 | - | 1-Jahres-Vertrag |
2023–2025 | Cleveland Browns | 27/27* | - | 3 Jahre, $18 Mio. |
*Stand Ende 2024
Die Zahlen zeigen: Nach Jahren der Unsicherheit ist Pocic heute ein fester Bestandteil der Browns. 101 Spiele, davon 84 als Starter – vor allem aber eine Serie ohne Verletzungen und mit starker Leistung im Zentrum der Line. Der Center, der in Seattle oft nur als Notlösung galt, ist in Cleveland die Konstante im Angriff.
Doch nicht nur auf dem Feld hat sich Pocic entwickelt. Auch als Persönlichkeit ist er gereift – und gibt seine Erfahrung an jüngere Mitspieler weiter.
Verantwortung übernehmen: Pocics Rolle im Team und der Blick nach vorn
Im Zentrum der Line zählt jedes Detail. Der Center liest die Defense, gibt die Blocking-Schemes vor und sorgt für Stabilität im Angriff. Für die Browns ist Pocic längst mehr als nur ein guter Snapper – er ist Führungsspieler und Mentor zugleich. Seine ruhige Art hilft vor allem jüngeren Linemen, die Abläufe zu verstehen und Fehler zu vermeiden.
Mit seinem Dreijahresvertrag ist Pocic auch finanziell abgesichert. Doch viel wichtiger ist seine Rolle im Teamgefüge. Die Browns bauen auf seine Erfahrung und Zuverlässigkeit. In einer Liga, in der Verletzungen und Personalwechsel zum Alltag gehören, ist ein Center wie Pocic Gold wert. Seine Vielseitigkeit aus der Zeit bei den Seahawks hilft ihm, flexibel auf neue Situationen zu reagieren – ob bei Veränderungen im Kader oder bei Verletzungen auf anderen Positionen.
Sportlich hat Pocic noch einige Jahre im Tank. Die Browns setzen auf Kontinuität in der Offensive Line, und ein Center mit seiner Erfahrung gibt dem Team Stabilität für die kommenden Saisons. Für junge Spieler ist Pocic ein Vorbild: Er zeigt, dass sich Ausdauer und Geduld auszahlen – und dass der Durchbruch auch spät noch gelingen kann.
Mehr als Football: Familie, Heimat und Charakter
Wer Pocic abseits des Feldes erlebt, merkt schnell: Hier steht ein bodenständiger Teamplayer. Die Wurzeln in Lemont, Illinois, sind bis heute spürbar. Dort begann seine Football-Reise, dort lernte er von seinem Bruder Graham, was es heißt, als Center Verantwortung zu übernehmen. Die Ausbildung an der LSU prägte ihn sportlich und persönlich. Bis heute hält er Kontakt zu Trainern und ehemaligen Mitspielern aus dem College.
Pocic engagiert sich im Team, unterstützt jüngere Spieler und ist bekannt für seine ruhige, sachliche Art. Große Schlagzeilen meidet er – lieber arbeitet er im Hintergrund und überzeugt mit Leistung. Für viele Coaches ist genau diese Einstellung der Grund, warum er sich in Cleveland durchgesetzt hat.
Sein Weg zeigt, dass es mehr braucht als Talent: Familie, Charakter und die Bereitschaft, aus Rückschlägen zu lernen, sind mindestens genauso wichtig. Für Pocic war der lange Anlauf kein Nachteil – im Gegenteil. Heute profitiert er von jeder Erfahrung, die er auf dem Weg zum Stammspieler gesammelt hat.
Kurzüberblick: Pocics Karriere in Zahlen
Station | Spiele | Starts | Auszeichnungen |
---|---|---|---|
Seattle Seahawks | 57 | 40 | PFWA All-Rookie Team |
Cleveland Browns | 44 | 44 | - |
College (LSU) | - | - | First-Team All-American, Rimington-Finalist |
Die Tabelle zeigt: Pocic hat sich von einem talentierten College-Spieler über die Rolle als Backup zum Stammspieler und Führungsspieler entwickelt. Über 100 NFL-Spiele, davon der Großteil als Starter – das ist für einen Center, der mehrfach schwer verletzt war, alles andere als selbstverständlich.
Fazit: Ausdauer, Geduld und der späte Durchbruch
Ethan Pocics Geschichte ist die eines Spätstarters, der nie aufgegeben hat. Verletzungen, Positionswechsel und Jahre als Backup hätten viele Spieler scheitern lassen. Doch Pocic nutzte jede Chance, arbeitete sich immer wieder zurück und wurde in Cleveland zum Leistungsträger. Heute ist er mehr als nur Teil der Offensive Line – er ist der Anker im Zentrum, auf den sich die Browns verlassen können.
Sein Weg zeigt: In der NFL gibt es keine Garantien. Doch mit Geduld, Vielseitigkeit und der richtigen Einstellung kann auch ein Spieler, der jahrelang im Schatten stand, zum Schlüsselspieler werden. Für die Browns und ihre Fans ist Ethan Pocic genau das – ein Beispiel für Ausdauer, Professionalität und späten, aber verdienten Erfolg.