Evan McPherson ist der Mann für die großen Momente. Als Kicker der Cincinnati Bengals hat er sich in wenigen Jahren einen Namen gemacht, der weit über seine Position hinausreicht. Nach einer Verletzung, die seine Karriere ins Wanken brachte, steht McPherson wieder voll im Saft – und mit einem langfristigen Vertrag im Rücken. Seine Geschichte ist die eines Spezialisten, der immer dann liefert, wenn der Druck am größten ist. Was macht ihn so besonders? Die Antwort liegt nicht nur in seiner Technik, sondern vor allem in seiner Nervenstärke. Wer die Bengals in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß: Wenn es zählt, ist auf McPherson Verlass.
In einer Liga, in der Kicker oft als austauschbare Randfiguren gelten, hat sich McPherson als feste Größe etabliert. Seine Field Goals entscheiden Spiele, seine Extrapunkte geben dem Team Sicherheit. Vor allem in den Playoffs, wenn Nervosität und Erwartungsdruck explodieren, bleibt er cool. Nach seiner Rückkehr aus der Reha ist klar: Die Bengals bauen auf ihn – und das aus gutem Grund. Doch diese Zuverlässigkeit hat eine Vorgeschichte, die so nicht jeder NFL-Kicker vorweisen kann.
Wie wurde aus einem jungen Mann aus Alabama ein Hoffnungsträger für ein NFL-Team? Die Antwort beginnt nicht erst in der NFL, sondern in den Football-Fields seiner Heimat. McPhersons Weg ist eine Geschichte von Talent, harter Arbeit und dem unerschütterlichen Glauben an den eigenen Fuß – und an das eigene Comeback.
Vom unauffälligen Talent zum Playoff-Helden
Die wenigsten hätten vor ein paar Jahren gedacht, dass Evan McPherson einmal zu den bekanntesten Kickern der Liga zählen würde. Die Bengals wählten ihn in der fünften Runde, ein Pick, der bei vielen Fans und Experten erst einmal für Stirnrunzeln sorgte. Doch dieses Bauchgefühl sollte schon bald der Begeisterung weichen. Bereits in seiner ersten Saison zeigte McPherson, dass er mehr ist als nur ein weiterer Kicker im Kader.
Sein Durchbruch kam in den Playoffs, als er mit einer Serie von eiskalten Kicks die Bengals bis ins Finale brachte. Vier Field Goals im Conference Championship Game, darunter der spielentscheidende Treffer aus knapp 50 Yards – das sind die Momente, die einen Spezialisten aus der Masse heben. McPherson wurde zum Symbol für Zuverlässigkeit, als es am meisten zählte. Seine 19 verwandelten Field Goals in den ersten Playoff-Einsätzen ohne Fehlschuss sind bis heute eine Ansage. Für Cincinnati war das mehr als ein sportliches Ausrufezeichen – es war der Beginn einer neuen Ära im Special Team.
Doch diese Leistung kam nicht von ungefähr. Der Grundstein wurde schon früh gelegt, lange bevor McPherson das Bengals-Trikot überstreifte.
Die lange Vorbereitung auf den großen Wurf
McPhersons Football-Reise beginnt in Fort Payne, Alabama. Schon in der High School fällt er mit einem 60-Yard-Field-Goal und einem 84-Yard-Punt auf – beide nur knapp unter den damaligen Bundesstaat-Rekorden. In einer Familie, in der Sport zum Alltag gehört, ist der Ehrgeiz programmiert. Der ältere Bruder Logan kickt für Louisiana Tech, der jüngere Bruder Alex wird später Kicker an der Auburn University. Für Evan ist Football mehr als ein Hobby, es ist eine Berufung.
Nach der High School geht es für ihn an die University of Florida. Hier entwickelt sich McPherson zum Elite-Kicker im College Football. Mit einer Trefferquote von 85 Prozent bei Field Goals und nahezu fehlerlosen Extrapunkten setzt er Maßstäbe. Der SEC-Rekord für die beste Karriere-Trefferquote spricht für sich. Schon damals zeigt sich: Unter Druck bleibt McPherson ruhig, egal ob im Training oder vor 80.000 Zuschauern.
Der Sprung in die NFL folgt – und mit ihm der nächste Beweis für seinen Charakter. Die Bengals entscheiden sich, ihn in der fünften Runde zu holen. Kein gewöhnlicher Schritt für ein Team, das auf jeder Position nach Verstärkung sucht. Doch der Plan geht auf. In seiner ersten Saison trifft McPherson 28 seiner 33 Field-Goal-Versuche, in den folgenden Jahren bleibt er konstant im oberen Bereich der Liga. Extrapunkte sind für ihn Routine. Für die Bengals zahlt sich das Vertrauen aus: McPherson wird zum Fixpunkt im Special Team.
Jahr | Field Goals | Quote (%) | Extrapunkte | Längstes FG |
---|---|---|---|---|
Rookie-Saison | 28/33 | 84,8 | 46/48 | 58 Yards |
Zweite Saison | 24/29 | 82,8 | 40/44 | 59 Yards |
Dritte Saison | 26/31 | 83,9 | 40/40 | 54 Yards |
Verletzungssaison | 16/22 | 72,7 | 37/38 | 57 Yards |
Die Zahlen zeigen: McPherson ist kein One-Hit-Wonder. Seine Trefferquoten liegen durchgehend über dem NFL-Durchschnitt. Besonders auffällig: In den Playoffs bleibt er makellos, 19 von 19 Field Goals – ein Wert, der in der NFL-Geschichte nur von wenigen erreicht wurde. Doch der Weg zum Status als Hoffnungsträger war nicht frei von Rückschlägen.
Der Rückschlag und das Comeback
Nach drei starken Jahren gerät McPhersons Karriere ins Stocken. Eine Adduktorenverletzung zwingt ihn zur Pause, er verpasst mehrere Spiele. Die Bengals müssen improvisieren, das Team spürt die Lücke sofort. Für McPherson ist es eine neue Situation – zum ersten Mal steht nicht nur sein Fuß, sondern auch seine Zukunft auf dem Spiel. Rehabilitation, Zweifel, die Frage, ob er wieder an seine alte Form anknüpfen kann.
Doch so wie er auf dem Feld Nervenstärke beweist, bleibt er auch abseits der Arena fokussiert. Unterstützung bekommt er aus der eigenen Familie, die den Sport lebt und weiß, wie man mit Rückschlägen umgeht. McPherson arbeitet an seiner Fitness, an seinem Anlauf, an der Technik. Schritt für Schritt kommt er zurück. Die Bengals zeigen ihm das Vertrauen und verlängern mit ihm langfristig – ein deutliches Signal, dass sie an ihn glauben.
Mit dem neuen Vertrag in der Tasche und der Gewissheit, wieder fit zu sein, startet McPherson in die nächste Phase seiner Karriere. Die Verletzung hat ihn nicht gebrochen – im Gegenteil, sie hat ihn noch entschlossener gemacht. Heute profitiert er von diesen Erfahrungen, weiß um die Bedeutung jeder Trainingseinheit und jedes Kicks. Die Erwartungen sind gestiegen, aber McPherson nimmt die Herausforderung an.
Karriere-Übersicht Evan McPherson | |
---|---|
Körpergröße / Gewicht | 1,80 m / 84 kg |
Karriere Field-Goal-Quote | 81,7 % (94/115) |
Längstes Field Goal | 59 Yards |
Playoff-Field Goals | 19/19 |
NFL-Rekord | Meiste Field Goals in einer Postseason (14, geteilt) |
Vertrag | 3 Jahre, 16,5 Mio. US-Dollar |
Familie | Brüder Logan (Punter) und Alex (Kicker) |
Die Tabelle zeigt den Weg eines Kickers, der seine Chancen nutzt und immer wieder zurückkommt. Seine Werte sind nicht nur solide, sie sind in den entscheidenden Momenten herausragend. Kein Fehlschuss in den ersten 19 Playoff-Versuchen, das ist das, was Teams von einem Spezialisten erwarten. Die Bengals wissen: Mit McPherson im Kader haben sie einen Kicker, der auch im größten Druckmoment liefert.
Der Blick nach vorn: McPherson als Schlüsselspieler der Bengals
Nach der überstandenen Verletzung ist McPherson wieder der Starting-Kicker der Bengals. Im Training zeigt er, dass er nichts verlernt hat, seine Schüsse sind präzise wie eh und je. Die Erwartungen sind klar: Seine Field Goals sollen wieder Spiele entscheiden, seine Extrapunkte das Team absichern. Nach mehreren Jahren in der Liga hat er sich das Vertrauen verdient – bei Coaches, Mitspielern und Fans.
Was kommt als Nächstes? Die Bengals setzen auf Kontinuität im Special Team. McPherson soll nicht nur die kommenden Spielzeiten prägen, sondern auch in engen Playoff-Partien wieder den Unterschied machen. Seine Ziele sind klar: Die Quote hochhalten, neue Franchise-Rekorde aufstellen und im besten Fall das Team erneut Richtung Finale kicken. Die Konkurrenz schläft nicht, doch mit seiner Erfahrung und Ruhe hat McPherson einen Vorteil, den Statistiken allein nicht abbilden.
Für Cincinnati ist er mehr als ein Kicker. Er ist ein Symbol für Zuverlässigkeit, für den Glauben an die eigene Stärke und für die Kraft, nach Rückschlägen stärker zurückzukommen. Die Geschichte von Evan McPherson ist noch lange nicht zu Ende. Aber eines steht fest: Wenn die Bengals wieder in ein enges Spiel geraten, wissen sie, auf wen sie bauen können – den Mann mit dem sicheren Fuß und den Nerven aus Stahl.