Jaylen Twyman steht im Sommer 2025 ohne Team da. Nach mehreren Jahren, in denen er von NFL-Kadern über alternative Ligen bis zurück in die NFL wechselte, bleibt der Defensive Tackle aus Washington, D.C. vertragslos. Doch trotz aller Rückschläge ist Twymans Geschichte keine von Resignation – sondern von Beharrlichkeit. Das macht ihn zu einer der ungewöhnlichsten Figuren seiner Draftklasse.
Twyman war nie der natürliche Überflieger, der von Anfang an als Star galt. Aber er war der Spieler, dessen Weg schon früh von harter Arbeit und Rückschlägen geprägt wurde. Seine College-Leistungen sorgten für Aufsehen, seine persönliche Geschichte für Respekt. Heute fragen sich viele: War das alles umsonst? Oder kommt da noch was?
Wer Jaylen Twyman kennt, weiß: Aufgeben ist nie eine Option. Denn der Kampf um eine zweite Chance in der NFL ist für ihn mehr als ein Job – es ist der Versuch, ein Versprechen einzulösen, das einst so greifbar schien.
Vom Rohdiamanten in D.C. zum Star am College
Der erste Stein für Twymans außergewöhnlichen Weg wurde schon früh gelegt. In Washington, D.C. wuchs er in einer Gegend auf, in der Football nicht nur Sport, sondern auch Ausweg ist. Schon auf der H.D. Woodson High School fiel er auf. 91 Tackles und neun Sacks in seiner letzten Saison – Zahlen, die in der Hauptstadt kaum ein Defensive Lineman je erreicht hatte. Twyman war lokal bekannt, aber national unterschätzt. Das sollte sich bald ändern.
Die University of Pittsburgh wurde zum nächsten Schritt. Dort musste sich Twyman erst hinten anstellen, ein Jahr als Redshirt, dann als Rotationsspieler. Doch in seiner zweiten aktiven Saison kam der Durchbruch. Plötzlich war da dieser Defensive Tackle, der nicht nur Lücken schloss, sondern Quarterbacks jagte wie kaum ein anderer. 2019 startete er jedes Spiel, sammelte 41 Tackles und 10,5 Sacks – eine Marke, die seit Aaron Donald niemand mehr an der Pitt-Defense erreicht hatte. Das brachte ihm eine All-ACC-Ehrung und den Respekt der NFL-Scouts ein.
Twyman war kein Top-10-Pick, kein Medienliebling. Doch sein Spielstil, seine Physis (6'2", 285 Pfund) und seine College-Statistiken machten ihn zum heimlichen Favoriten vieler Teams, die in den späten Runden noch nach einem Steal suchten. So wurde er in der sechsten Runde gedraftet – ein Traum, der für viele undenkbar schien. Doch während andere sich im Rampenlicht sonnten, begann für Twyman der vielleicht schwerste Teil seiner Laufbahn.
Schussverletzung – und der Kampf zurück ins Leben
Der Sprung in die NFL ist für viele College-Stars die größte Herausforderung. Für Twyman wurde er zum Überlebenskampf. Noch bevor er ein einziges Down in der Liga spielen konnte, traf ihn das Schicksal mit voller Wucht. In seiner Heimatstadt wurde er Opfer einer Schussverletzung – vier Kugeln, lebensgefährlich. Für viele wäre das das Ende gewesen. Für Twyman war es erst der Anfang eines langen Weges zurück.
Die Rookie-Saison war verloren, bevor sie begonnen hatte. Wochen im Krankenhaus, monatelange Reha, Zweifel am eigenen Körper und an der Zukunft. Die Vikings setzten ihn auf die Non-Football Injury List. Während andere Rookies ihre ersten NFL-Snaps spielten, kämpfte Twyman um jeden Schritt zurück auf den Trainingsplatz. Die NFL ist ein Business – Geduld gibt es hier selten. Die Vikings machten weiter, Twyman blieb außen vor.
Doch wer glaubte, das sei das Ende, kannte Twyman nicht. Nach seiner Genesung trainierte er sich zurück, arbeitete an Kraft und Explosivität, suchte den Kontakt zu Teams. Die Hoffnung auf ein Comeback lebte. Doch die Zeiten waren härter geworden. Die Vikings entließen ihn, ein kurzer Stopp im Practice Squad der Miami Dolphins folgte – ein Platz, der nie für lange Sicherheit steht. Twyman wusste: Jeder Tag kann der letzte sein.
Zwischen NFL und alternativen Ligen – der unermüdliche Versuch, Fuß zu fassen
Twymans Weg führt nicht geradeaus. Er pendelt zwischen NFL-Teams und alternativen Ligen, immer auf der Suche nach der nächsten Chance. Nach dem Aus bei den Vikings und dem kurzen Intermezzo in Miami unterschreibt er einen Reserve/Future-Vertrag, doch wieder endet das Abenteuer vor dem Saisonstart. Die NFL ist gnadenlos, vor allem mit Spielern, die nicht sofort liefern.
Twyman sucht sein Glück in der USFL bei den Birmingham Stallions, später in der UFL bei den San Antonio Brahmas. Doch auch hier bleibt der Durchbruch aus. Die Verträge sind kurz, die Kaderplätze umkämpft. Trotzdem bleibt Twyman dran. In jeder Liga, in jedem Camp zeigt er, dass er fit ist, dass er die Härte und Schnelligkeit mitbringt, die ein Defensive Tackle heute braucht. Doch ein fester Platz bleibt ihm verwehrt.
Jahr | Team/Liga | Status/Ereignis |
---|---|---|
Erstes NFL-Jahr | Vikings (NFL) | Schussverletzung, Non-Football Injury List |
Zweites NFL-Jahr | Vikings/Dolphins (NFL) | Entlassung, Practice Squad |
Drittes NFL-Jahr | Dolphins (NFL) | Reserve/Future, Entlassung |
Drittes Jahr | Stallions (USFL) | Entlassung |
Viertes Jahr | Brahmas (UFL) | Vertragsauflösung |
Viertes Jahr | Jets (NFL) | Kurzvertrag, Entlassung |
Diese Stationen erzählen von einem Spieler, der sich nicht abschütteln lässt. Während viele nach der dritten Entlassung das Handtuch werfen würden, sucht Twyman weiter nach seiner Lücke im Profifußball. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im College glänzte er mit 41 Tackles und 10,5 Sacks in einer Saison, eine Leistung, die an die großen Namen der Pittsburgh-Defense erinnert. In der NFL hingegen wartet er bis heute auf seinen ersten Snap in einem regulären Spiel.
Der Kampf um die zweite Chance – was bleibt von Twymans Weg?
Jaylen Twyman ist kein klassischer NFL-Star. Er ist der Spieler, der immer wieder zurückkommt, auch wenn ihn das System längst ausgespuckt hat. Seine College-Statistiken zeigen, was in ihm steckt. Körperlich ist er auf NFL-Niveau, gesund ist er ebenfalls. Doch der Sprung in die Liga ist mehr als eine Frage von Talent und Fitness. Es geht um Timing, Vertrauen und manchmal um das nötige Glück.
Twymans Reise ist noch nicht zu Ende. Er steht bereit für ein neues Angebot, arbeitet weiter an sich, wartet auf den Anruf, der alles verändert. Seine Geschichte ist ein Beispiel für den langen Schatten, den eine einzige Nacht in der Heimat werfen kann – und für den Willen, sich davon nicht unterkriegen zu lassen.
Viele junge Spieler träumen von der NFL. Die meisten schaffen es nie so weit wie Twyman. Noch weniger stehen nach einer Schussverletzung wieder auf dem Trainingsplatz. Für Twyman ist das nicht genug. Er will zeigen, dass sich der Kampf lohnt – für sich selbst, für seine Familie, für all jene, die in ihm mehr sehen als nur einen Namen auf einer Entlassungsliste.
Ob er es noch einmal in einen NFL-Kader schafft, ist offen. Aber eines ist klar: Jaylen Twyman hat sich seinen Platz im Football verdient – nicht durch Statistiken, sondern durch seinen unbändigen Willen. Seine Geschichte ist noch nicht vorbei. Und vielleicht bekommt er doch noch die Chance, das Versprechen einzulösen, das er sich und seiner Heimat einst gegeben hat.