Lawrence Guy steht am Scheideweg seiner Karriere. Nach Jahren als verlässlicher Leistungsträger in der Defensive Line ist er aktuell Free Agent und auf der Suche nach einem neuen Team. Zuletzt spielte er für die Cincinnati Bengals, und Gerüchte über ein mögliches Engagement bei den Kansas City Chiefs machen die Runde. Doch Guy ist mehr als nur ein Veteran, der auf seine nächste Chance wartet: Seine Geschichte ist die eines Kämpfers, der sich immer wieder behauptet hat – auf und neben dem Feld.
Was macht Lawrence Guy besonders? Es ist nicht nur sein kräftiger Körperbau, der ihn zu einem der stabilsten Defensive Linemen der letzten Dekade gemacht hat. Es ist seine Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften, sich immer wieder in den Vordergrund zu spielen und dabei nie aufzugeben – sei es als Spätstarter im Draft, als Teamplayer bei wechselnden Franchises oder als Mensch, der mit ADHS und Dyslexie lebt. Guys Karriere ist der Beweis, dass Beharrlichkeit und Vielseitigkeit auch in der NFL zählen. Und genau deswegen ist sein Weg noch nicht zu Ende.
Wie gelingt es einem Spieler, den viele schon abgeschrieben hatten, immer wieder zurückzukommen – und was bringt ihn jetzt noch einmal ins Rampenlicht?
Der unterschätzte Kämpfer – Lawrence Guys Weg zurück ins Rampenlicht
Nach seiner letzten Station bei den Bengals steht Guy wieder vor einer ungewissen Zukunft. Doch wer seine Karriere kennt, weiß: Aufgeben gehört nicht zu seinem Repertoire. Schon mehrfach wurde er von Teams aussortiert, immer wieder musste er sich neu beweisen. Seine Erfahrung, seine Vielseitigkeit als Defensive Tackle und Defensive End und sein Ruf als Musterprofi machen ihn für viele Teams interessant. Besonders die Gerüchte um die Chiefs zeigen: Guy bleibt im Gespräch.
Doch diese Situation kennt er schon: Immer wieder wurde Guy unterschätzt, immer wieder musste er sich anpassen, kämpfen, überzeugen. Was für viele wie ein Abschied auf Raten wirkt, ist für ihn nur ein weiterer Beweis, dass seine Geschichte noch nicht vorbei ist. Denn Guy weiß, wie es ist, sich zurückzukämpfen – das hat er schon von klein auf gelernt.
Diese Einstellung kommt nicht von ungefähr. Der Grundstein für seine Hartnäckigkeit wurde schon früh gelegt – in Las Vegas, wo er sich trotz aller Widrigkeiten in den Fokus spielte.
Vom Außenseiter zum NFL-Stammspieler: Guys langer Weg
Lawrence Guy wächst in Las Vegas auf. Schon in der Kindheit ist klar: Sein Weg wird kein leichter. Er lebt mit ADHS und Dyslexie, kämpft sich durch die Schule und den Alltag. Doch auf dem Footballfeld blüht er auf. An der Western High School sammelt er Tackles und Sacks am Fließband – 238 Tackles und über 30 Sacks in drei Jahren sind eine Ansage. Trotzdem bleibt er für viele ein Außenseiter. Die Scouts sehen zwar das Potenzial, doch Zweifel an seiner Lernfähigkeit begleiten ihn bis ins College.
Arizona State gibt ihm die Chance. Schon als Freshman überzeugt er – 44 Tackles, Auszeichnungen in All-Freshman-Teams, stetig wachsende Verantwortung. Guy nutzt jede Gelegenheit, sich zu beweisen, doch die Skepsis bleibt. Im Draft landet er erst spät auf dem Zettel: Siebte Runde, Pick 233. Viele glauben, er wird einer von vielen, die nach wenigen Jahren wieder verschwinden. Doch Guy ist gekommen, um zu bleiben.
Seine Karriere beginnt nicht mit Glanz und Gloria. Bei den Packers schafft er es zunächst nicht in den Kader. Aber Guy gibt nicht auf. Er wechselt, kämpft, nutzt jede Chance – und genau diese Hartnäckigkeit wird zum Markenzeichen seiner Laufbahn.
Beständigkeit als Erfolgsrezept – Guys Weg durch die NFL
Nach dem Draft startet Guy seine NFL-Reise bei den Packers. Es folgen Stationen bei den Colts und Chargers – mal im Practice Squad, mal als Backup, immer mit der Aufgabe, sich zu beweisen. Doch Guy lässt sich nicht entmutigen. Sein Durchbruch kommt bei den Baltimore Ravens. Hier entwickelt er sich vom Lückenfüller zum festen Bestandteil der Defensive Line. Seine Vielseitigkeit – die Fähigkeit, sowohl als Tackle als auch als End zu spielen – verschafft ihm einen festen Platz im Team.
Der nächste Schritt folgt mit dem Wechsel zu den New England Patriots. Hier wird Guy zu dem, was viele ihm nie zugetraut hätten: ein Schlüsselspieler in einer der besten Defenses der Liga. Über mehrere Jahre hinweg ist er der Fels in der Brandung, verpasst kaum ein Spiel, liefert konstant ab. Höhepunkt: Der Gewinn des Super Bowl LIII. Für Guy ein Beweis dafür, dass sich Beharrlichkeit auszahlt.
Auch abseits des Feldes setzt er Zeichen. Seine Nominierung für den Walter Payton NFL Man of the Year Award zeigt, dass er nicht nur sportlich, sondern auch menschlich Maßstäbe setzt. Guys Engagement für soziale Projekte, sein offener Umgang mit Lernschwierigkeiten und sein Einsatz für Kinder machen ihn zum Vorbild.
Team | Jahre | Spiele | Tackles | Sacks | Fumble Recoveries | Interceptions |
---|---|---|---|---|---|---|
Packers | 1 | - | - | - | - | - |
Colts | 1 | 9 | 21 | 1,0 | 0 | 0 |
Chargers | 1 | 11 | 16 | 1,0 | 0 | 0 |
Ravens | 3 | 46 | 90 | 4,5 | 1 | 0 |
Patriots | 7 | 110 | 335 | 10,5 | 5 | 1 |
Bengals | 1 | 6 | 45 | 0 | 0 | 0 |
Über 500 Tackles, 17 Sacks, dazu Fumble Recoveries, abgewehrte Pässe und eine Interception – Guy hat geliefert. Seine Zahlen sind das Ergebnis jahrelanger Arbeit, Disziplin und dem Willen, immer das Optimum aus sich herauszuholen. Auch die Verträge sprechen für sich: Erst ein Millionen-Deal bei den Patriots, dann eine Verlängerung. Für einen Spieler, der als Spätstarter galt, ist das eine klare Antwort an alle Zweifler.
Diese Erfolge und Erfahrungen machen Guy heute zu einem gefragten Veteranen. Sie zeigen, warum ihn viele Teams als wertvolle Ergänzung sehen – und warum sein Weg noch nicht zu Ende ist.
Noch nicht am Ziel: Guys Suche nach dem nächsten Team
Heute steht Guy an einem neuen Wendepunkt: Ohne Team, aber fit, ambitioniert und bereit für die nächste Herausforderung. Sein Interesse an den Chiefs ist kein Zufall – dort könnte er seine Erfahrung einbringen, junge Spieler führen und in der Rotation für Stabilität sorgen. Doch auch andere Teams dürften aufmerksam geworden sein, denn Spieler mit seiner Vita sind rar: Vielseitig, erfahren, vorbildlich im Umgang mit Rückschlägen.
Abseits des Feldes ist Guy Familienmensch und engagiert sich sozial. Seine Offenheit im Umgang mit ADHS und Dyslexie macht ihn für viele zum Vorbild. Er zeigt, dass Erfolg in der NFL nicht nur an körperlicher Stärke, sondern auch an mentaler Widerstandskraft hängt. Genau das macht ihn für Teams und Fans gleichermaßen interessant.
Was kann Guy noch erreichen? Die Antwort liegt auf der Hand: Er kann einer jungen Defense die nötige Stabilität geben, als Mentor auftreten und in entscheidenden Momenten auf dem Feld Akzente setzen. Seine Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt – sie bekommt gerade ein neues Kapitel.
Lawrence Guys Karriere ist die Geschichte eines Spielers, der nie auf den einfachen Weg gesetzt hat. Vom unterschätzten Außenseiter aus Las Vegas zum Super-Bowl-Sieger, vom Spätstarter zum Veteranen, der heute für seine Erfahrung geschätzt wird. Wer ihn jetzt abschreibt, unterschätzt, was ihn immer ausgemacht hat: den unbedingten Willen, immer wieder zurückzukommen. Genau deshalb ist sein nächster Schritt in der NFL nur eine Frage der Zeit.