Von 878 Footballern, die zwischen 2016 und 2021 gestorben sind und mindestens ein NFL-Spiel bestritten hatten, hatte mindestens jeder vierte die Hirnerkrankung CTE. Das hat ein Team um Daniel Daneshvar ermittelt und am Dienstag im British Medical Journal veröffentlicht. Die 25 Prozent sind dabei die vorsichtigste Lesart der Daten. Nach oben lässt dieselbe Auswertung Raum bis rund 97 Prozent.
Warum sich CTE nicht auf eine Zahl festlegen lässt
Chronische traumatische Enzephalopathie lässt sich bis heute erst am Gehirn eines Verstorbenen feststellen. Wer sie erforschen will, ist auf Spenden angewiesen, und wer sein Gehirn spendet, hat meist einen Verdacht. Von den Proben, die zwischen 2008 und 2021 eingingen, trugen 93 Prozent eine CTE-Diagnose. Über die Liga insgesamt sagt diese Gruppe nichts aus.
Genau diese Verzerrung wollte das Team herausrechnen. Es beschränkte die Auswertung auf den Zeitraum mit den meisten Spenden und bezog demografische Daten sowie Angaben aus Sterbeurkunden ein. Heraus kam ein Korridor, dessen Enden weit auseinanderliegen. Wo darin der wahre Wert liegt, will Daneshvar nicht genauer benennen, er verortet ihn irgendwo in der Mitte.
Was CTE mit Demenz zu tun hat
Bei den Proben mit Stage IV, der am weitesten fortgeschrittenen Form, war in mehr als 90 Prozent der Fälle zusätzlich eine Demenz festgestellt worden. In dieser Gruppe treten beide Erkrankungen also fast durchgehend gemeinsam auf.
Wo Daneshvar das Risiko sinken sieht
Nicht der einzelne schwere Treffer ist nach seiner Darstellung ausschlaggebend, sondern die Summe aller Stöße gegen den Kopf über Jahre hinweg. Daraus folgt für ihn ein Ansatzpunkt, der die Sonntage unberührt lässt. Er will Treffer im Training abschaffen und Kinder keinen Tackle Football mehr spielen lassen, also dort ansetzen, wo sich die Stöße über eine Laufbahn hinweg summieren.
Was Azeez Al-Shaair über das Risiko sagt
"Dieses Spiel ist aggressiv, es ist brutal", sagte Azeez Al-Shaair, als er zuletzt danach gefragt wurde, ob ihn eine mögliche Erkrankung beschäftige. "Wir laufen hier mit voller Geschwindigkeit ineinander, und das sind die besten Athleten der Welt. So etwas kann dabei eben passieren." Der Linebacker der Houston Texans steht vor seiner achten NFL-Saison. Auf die Zeit nach der Karriere angesprochen, sagte er, jeder wisse, worauf er sich einlasse; man müsse abseits des Feldes alles dafür tun, gesund zu bleiben.
Die Antwort der NFL
Zu den Zahlen selbst äußerte sich die Liga nicht. Sie verwies auf ihre laufende Arbeit an der Sicherheit des Spiels, namentlich auf Regeln gegen Gehirnerschütterungen und Kopftreffer, und auf ihre Gesundheitsangebote für Spieler.
Was die nächste Untersuchung klären soll
Wie verbreitet CTE unter allen verstorbenen NFL-Profis ist, beantwortet diese Arbeit nicht, und sie will es auch nicht. Diese Gesamtrate soll eine weitere Untersuchung schätzen, die das Team in den kommenden Monaten vorlegen will.
