Benjamin St-Juste steht heute bei den Los Angeles Chargers auf dem Platz. Nach vier Jahren bei den Washington Commanders hat sich der Cornerback für einen Neuanfang entschieden. In Kalifornien will er zeigen, dass er mehr ist als nur Backup – dass er nach Rückschlägen und Zweifeln noch immer bereit ist, alles zu geben.
Die Chargers setzen auf seine Erfahrung. St-Juste startet hinter Donte Jackson und Tarheeb Still ins Jahr, doch die Situation ist offen. Mit einem Einjahresvertrag und ohne Startgarantie muss er sich jeden Snap aufs Neue verdienen. Für den Kanadier ist das nichts Neues – immer wieder musste er sich behaupten, immer wieder hat er sich durchgebissen.
Nach seiner Zeit in Washington, die mit einem verlorenen Stammplatz endete, steht St-Juste an einem Scheideweg. Es ist die klassische Geschichte eines Spielers, der immer wieder aufsteht. Wie kam es zu diesem Punkt? Und was macht ihn aus?
Der lange Weg aus Montreal: Von Kanada in die NFL
St-Juste stammt aus Montreal, einer Stadt, die selten NFL-Spieler hervorbringt. Seine ersten Football-Erfahrungen sammelt er am Cégep du Vieux Montréal. Schon damals fällt er durch seine Größe und Athletik auf, doch der Weg in die US-Colleges bleibt steinig. Viele Scouts zweifeln, ob ein Kanadier in der Big Ten bestehen kann.
Er schafft es dennoch an die University of Michigan. Dort fällt er nicht nur sportlich auf, sondern auch mit seinem Ehrgeiz abseits des Feldes. St-Juste schließt sein Studium in nur zweieinhalb Jahren ab – ein Rekordtempo, das zeigt, wie zielstrebig er arbeitet. Aber die Zeit in Michigan verläuft nicht reibungslos. Medizinische Bedenken bremsen ihn aus, der Traum von der NFL scheint in weiter Ferne.
Doch St-Juste gibt nicht auf. Er wechselt zur University of Minnesota, startet dort neu und kämpft sich zurück in die Startelf. Dieser Wechsel ist der erste Beweis, dass er mit Rückschlägen umgehen kann. Nach einer starken Saison bei den Gophers wird er im NFL Draft in der dritten Runde von Washington ausgewählt – ein Meilenstein für einen Spieler, der als Außenseiter gestartet ist.
Sein Sprung in die NFL kommt nicht von ungefähr. Die Erfahrungen aus College-Zeiten – schnelle Abschlüsse, Wechsel des Teams, ständiges Anpassen – haben ihn geprägt. Doch in der Liga warten die nächsten Herausforderungen.
Vier Jahre Washington: Leistung, Krise und der Bruch
Bei den Commanders entwickelt sich St-Juste schnell zum verlässlichen Cornerback. In 54 Spielen sammelt er über 200 Tackles, erkämpft sich drei Sacks und fängt eine Interception. Seine Größe von 1,90 Meter und sein Instinkt machen ihn zum gefürchteten Gegenspieler für viele Receiver. In seiner letzten Saison in Washington bringt er es auf 71 Tackles, sieben Passverteidigungen und einen erzwungenen Fumble – solide Zahlen für einen Defensive Back.
Doch die NFL ist ein hartes Geschäft. Im vierten Jahr verliert St-Juste seinen Stammplatz. Neue Konkurrenz, Systemwechsel, eine schwächelnde Defense – plötzlich sitzt er häufiger auf der Bank. Für viele Spieler ist das der Anfang vom Ende. Doch St-Juste wählt einen anderen Weg.
Er analysiert seine Situation, hinterfragt sein Spiel und sucht gezielt nach einer neuen Herausforderung. Die Chargers bieten ihm einen Einjahresvertrag – keine Garantien, aber eine echte Chance auf einen Neuanfang. Für St-Juste zählt jetzt nur noch, sich zurückzukämpfen.
Station | Jahre | Spiele | Tackles | Sacks | Interceptions | Fumbles (erz./rec.) |
---|---|---|---|---|---|---|
Washington Commanders | 2021–2024 | 54 | 206 | 3 | 1 | 1 / 1 |
Los Angeles Chargers | seit 2025 | - | - | - | - | - |
Die Statistik zeigt: St-Juste hat sich in Washington behauptet. Doch Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Hinter jedem Tackle, jedem Snap, steckt ein Spieler, der sich immer wieder beweisen musste – und genau das macht ihn für die Chargers interessant.
Neuanfang in Los Angeles: Was jetzt zählt
Der Wechsel zu den Chargers bringt frischen Wind. St-Juste weiß, dass er sich erneut beweisen muss – nicht nur als Spieler, sondern auch als Führungspersönlichkeit im Locker Room. Hinter den erfahrenen Cornerbacks beginnt er als Backup, doch die Aussicht auf mehr Spielzeit bleibt. Die Coaches schätzen seine Erfahrung, seine Größe, seinen Football-IQ.
Für St-Juste geht es jetzt um mehr als nur Statistiken. Er will zeigen, dass er aus schwierigen Phasen stärker hervorgehen kann. Die Rolle als Mentor für jüngere Spieler passt zu ihm – schließlich hat er auf seinem Weg von Kanada in die NFL alle Höhen und Tiefen erlebt. Sein Ziel: sich für einen neuen Vertrag empfehlen, vielleicht sogar wieder in die Startelf rücken.
Was ihn antreibt, ist der Stolz auf seine Herkunft. Als erster College-Absolvent seiner Familie ist er Vorbild für viele junge Sportler aus Montreal. Sein Bachelor-Abschluss in Rekordzeit, die Aufnahme in die Graduate School of Kinesiology und der Sprung in die NFL – all das zeigt, wie viel ihm Bildung und Sport bedeuten.
Name | Geburtsort | Größe | Gewicht | College | Draft | Vertrag Chargers |
---|---|---|---|---|---|---|
Benjamin St-Juste | Montreal, Kanada | 1,90 m | 91 kg | Michigan / Minnesota | 3. Runde, Pick 74 | 1 Jahr |
Die Tabelle bringt die Eckdaten auf den Punkt. Doch wer St-Juste nur auf Zahlen reduziert, verpasst die eigentliche Geschichte: den ständigen Kampf um Akzeptanz, die Suche nach einer zweiten Chance und die Entschlossenheit, immer weiterzumachen.
Was kommt als Nächstes? Der Blick nach vorn
St-Juste steht vor einem neuen Kapitel. Er weiß, dass die NFL keine zweite Heimat ist – jeder Tag im Kader ist ein Geschenk, jeder Fehler kann das Aus bedeuten. Doch genau diese Unsicherheit treibt ihn an. In Los Angeles will er beweisen, dass er mehr ist als nur ein Lückenfüller. Seine Stärke: Er kennt die Schattenseiten des Geschäfts, weiß aber auch, wie man zurückkommt.
Seine Geschichte ist die eines Spielers, der nie aufgibt. Von Montreal nach Michigan, über Minnesota in die NFL, dann der Bruch in Washington – und jetzt die Chance auf einen Neuanfang in Kalifornien. Es ist die Story eines Footballers, der immer wieder aufsteht, egal wie oft er fällt.
Ob St-Juste den Sprung zurück in die Startelf schafft, bleibt offen. Doch schon jetzt steht fest: Seine Karriere ist ein Zeichen für alle, die kämpfen müssen, um gehört zu werden. Für die Chargers kann er mehr sein als nur ein Backup – vielleicht sogar der Schlüssel für eine stabilere Defense. Und für junge Spieler aus Kanada ist er längst ein Vorbild.
Am Ende zählt nicht, wie oft man fällt. Entscheidend ist, wie oft man wieder aufsteht. Benjamin St-Juste kennt diesen Weg – und er ist noch lange nicht am Ziel.