Christian Young ist derzeit Free Agent – und das seit einigen Monaten. Kein NFL-Team hat ihn aktuell im Kader, keine Franchise ruft ihn für Workouts. Doch der Safety aus Houston bleibt bereit. Er trainiert, hält sich fit, wartet auf eine neue Gelegenheit. Für Außenstehende mag es so wirken, als sei sein Weg in der NFL bereits vorbei. Für Young selbst ist das Gegenteil der Fall: Sein Traum lebt weiter.
Für viele Talente endet der Traum von einer NFL-Karriere schon vor dem ersten Snap. Christian Young kennt diese Realität besser als die meisten. Er war College-Starter, hat in der Pac-12 mehr als 180 Tackles gesammelt und war einer der wichtigsten Verteidiger seines Teams. Doch der Sprung zu den Profis war härter als jede College-Saison. Bis heute wartet Young auf seinen ersten Einsatz in einem regulären NFL-Spiel. Und trotzdem gibt er nicht auf.
Sein Weg steht exemplarisch für all jene Spieler, die Jahr für Jahr alles investieren, um sich einen Platz im härtesten Football-Business der Welt zu erkämpfen. Es ist eine Geschichte von Hoffnung, Enttäuschung und ungebrochener Leidenschaft – und sie ist noch nicht zu Ende.
Der harte Weg: Vom College-Starter zum Undrafted Free Agent
Christian Young bringt alles mit, was NFL-Teams von einem modernen Defensive Back erwarten. Mit 1,85 Metern Körpergröße und knapp 100 Kilo Gewicht ist er physisch präsent, beweglich und vielseitig einsetzbar. Schon an der University of Arizona wurde er als Allrounder auf verschiedenen Positionen in der Secondary eingesetzt. Seine College-Bilanz: 182 Tackles in 48 Spielen, davon 32 als Starter.
Diese Leistungen kamen nicht von ungefähr. Young wuchs in Houston auf, spielte bereits an der High School auf hohem Niveau und wurde früh als Führungsspieler anerkannt. Im College gehörte er zu den konstantesten Verteidigern seines Teams, übernahm Verantwortung und zeigte Woche für Woche, dass er das Spiel versteht. Doch der Sprung von der Pac-12 in die NFL ist brutal. Jedes Jahr hoffen Hunderte College-Spieler auf einen Platz im Draft. Nur ein Bruchteil wird tatsächlich ausgewählt.
Youngs Name fiel im Draft nicht. Für viele ein schwerer Schlag – für ihn nur der nächste Ansporn. Er unterschrieb als Undrafted Free Agent bei den Seattle Seahawks. Der Vertrag: drei Jahre, über 2,7 Millionen Dollar wert, mit einem kleinen Signing-Bonus. Doch die Realität im NFL-Alltag ist gnadenlos: Wer nicht sofort überzeugt, verliert seinen Platz. Young musste schon nach wenigen Monaten wieder gehen. Es war der Beginn eines Weges, der von ständiger Unsicherheit geprägt ist.
Stationen eines Traums: Zwischen Hoffnung und Enttäuschung
Nach dem Aus bei den Seahawks war für Young klar: Aufgeben ist keine Option. Er blieb im Training, hielt Kontakt zu Agenten und wartete auf eine neue Chance. Die kam schneller als gedacht. Die Green Bay Packers holten ihn in ihr Practice Squad – ein Platz, der für viele Undrafted Free Agents der Einstieg in die Liga ist. Hier können sie sich im Training beweisen, auf einen Ausfall im Kader hoffen und Erfahrungen sammeln.
Young nutzte jede Gelegenheit, um sich zu empfehlen. Die Packers honorierten seinen Einsatz mit einem Reserve/Future-Vertrag. Das bedeutete, dass er offiziell zum erweiterten Kader zählte und sich in der Offseason zeigen konnte. Doch auch hier blieb der Durchbruch aus. Kurz vor Saisonstart wurde Young erneut entlassen. Kein Einsatz in einem regulären Spiel, keine Möglichkeit, sich auf dem Feld zu beweisen.
In wenigen Jahren wechselte Young mehrfach das Team, unterschrieb neue Verträge, wurde wieder gestrichen. Ein ständiges Auf und Ab, das nicht nur körperlich, sondern vor allem mental enorme Kraft kostet. Wer diesen Weg geht, braucht mehr als nur Talent. Er braucht Geduld, Disziplin und einen unerschütterlichen Glauben an sich selbst.
Jahr | Team | Status/Rolle | Vertragsdetails |
---|---|---|---|
2023 | Seattle Seahawks | Undrafted Free Agent, Offseason-Kader | 3 Jahre, 2.710.000 USD, 15.000 USD Signing-Bonus |
2023 | Green Bay Packers | Practice Squad | - |
2024 | Green Bay Packers | Reserve/Future-Vertrag | 1 Jahr, 795.000 USD |
Diese Tabelle zeigt: Young hat sich immer wieder neue Chancen erarbeitet. Doch der entscheidende Durchbruch, der Einsatz am Gameday, blieb bisher aus. Für viele Spieler endet die Reise an genau diesem Punkt. Doch für Young ist das Kapitel NFL noch offen.
Immer wieder Neuanfang: Was bleibt nach mehreren Entlassungen?
Jede Entlassung ist ein Rückschlag – und doch auch ein Neuanfang. Wer wie Young immer wieder von Teams aussortiert wird, steht vor einer schwierigen Entscheidung: Aufhören oder weitermachen? Für ihn ist die Antwort klar. Er weiß, dass der Weg zum NFL-Spieler selten geradeaus führt. Gerade als Undrafted Free Agent muss man mit Rückschlägen umgehen, sich neu motivieren und an Details arbeiten.
Bis heute wartet Young auf seinen ersten Einsatz in einem regulären NFL-Spiel. Das nagt am Selbstvertrauen, fordert aber auch den Charakter. Er trainiert weiter, bleibt im Austausch mit seinem Umfeld und hält sich bereit für den nächsten Anruf. Denn im Football kann sich alles in wenigen Tagen ändern. Ein verletzter Spieler, ein überraschender Kaderplatz – und plötzlich ist die Tür wieder offen.
Young steht für die Generation von Spielern, die sich nicht von Rückschlägen unterkriegen lassen. Sie arbeiten im Schatten der Superstars, kämpfen um jedes Training, jede Wiederholung, jeden Vertrauensbeweis der Coaches. Viele werden nie bekannt, tauchen in keiner Statistik auf – aber ohne sie funktioniert das System NFL nicht. Sie sind das Rückgrat der Practice Squads, die ständige Reserve für die Kaderplätze. Und manchmal schaffen sie doch noch den Sprung.
Warten auf die nächste Chance: Was kommt als Nächstes?
Aktuell ist Young gesund, fit und voller Hoffnung auf eine neue Chance. Mit 25 Jahren zählt er noch zu den jüngeren Free Agents auf dem Markt. Er bringt Erfahrung aus dem NFL-Umfeld mit, kennt die Abläufe in Teams, weiß, worauf es in Meetings und Trainingseinheiten ankommt. Für viele Teams ist genau das ein Argument, solchen Spielern zumindest ein Tryout zu geben.
Ob es für Young in der NFL weitergeht, ist offen. Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit in einer anderen Liga, vielleicht ruft doch noch ein NFL-Team an. Oft entscheiden Kleinigkeiten über eine Karriere – ein gutes Workout, eine offene Stelle im Special Team, ein überzeugendes Gespräch mit dem Coach. Bis dahin bleibt Young im Training. Er weiß, dass jeder Tag ohne Team auch eine Chance ist, besser zu werden.
Seine Geschichte steht für den harten, oft unsichtbaren Kampf vieler NFL-Talente. Nicht jeder schafft es in den Kader, nicht jeder wird zum Star. Doch gerade die Undrafted Free Agents zeigen, was es heißt, für einen Traum zu arbeiten – auch wenn die Erfolgsaussichten klein sind. Christian Young ist einer dieser Kämpfer. Sein Weg ist noch nicht zu Ende.
Anhang: Zahlen, Fakten, Stationen
Persönliche Daten | |
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Geburtsort | Houston, Texas |
Größe | 1,85 m |
Gewicht | 100 kg |
College | University of Arizona |
College-Statistiken | |
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Spiele | 48 |
Starts | 32 |
Tackles | 182 |
NFL-Stationen | Rolle | Jahr |
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Seattle Seahawks | Offseason-Kader | 2023 |
Green Bay Packers | Practice Squad | 2023 |
Green Bay Packers | Reserve/Future-Vertrag | 2024 |
Christian Young ist mehr als nur eine Nummer im riesigen NFL-System. Er ist das Beispiel für den langen Atem, den Durchhaltewillen und die Leidenschaft, die es für eine Karriere im Profi-Football braucht. Ob er es doch noch in einen aktiven Kader schafft, steht offen. Sein Weg zeigt aber schon jetzt, wie viel Mut und Energie hinter jeder kurzen NFL-Karriere stecken können – und warum es sich lohnt, für den eigenen Traum zu kämpfen.