Isaiah Simmons trägt das grün-gelbe Trikot der Green Bay Packers. Der frühere Top-Draft-Pick hat in seiner NFL-Karriere schon viel erlebt – und noch mehr ausprobiert. Jetzt soll seine Vielseitigkeit, über Jahre Fluch und Segen zugleich, endlich zum entscheidenden Trumpf werden. Die Packers setzen auf einen Spieler, der in der Defensive fast alles kann, aber bislang nirgends so richtig angekommen ist. Was macht Simmons’ Weg so besonders? Und warum könnte gerade jetzt der Moment gekommen sein, an dem er sein volles Potenzial ausschöpft?
Wer auf Simmons’ Laufbahn blickt, erkennt sofort das Hauptmotiv: Er ist das Positions-Chamäleon schlechthin. Kaum ein anderer NFL-Verteidiger hat in so kurzer Zeit auf so vielen Rollen gespielt – und dabei immer wieder das System, die Coaches und die eigenen Grenzen getestet. Doch dieser Weg war nie einfach. In Arizona als Zukunft der Defense gefeiert, bei den Giants zum Rollenspieler geworden, steht Simmons heute vor seiner vielleicht letzten großen Chance. Die Packers wollen seine Flexibilität nutzen, um eine Defense zu formen, die gegnerische Offenses vor neue Rätsel stellt. Doch der Weg hierher war lang und voller Hindernisse.
Vom College-Star zum Positions-Chamäleon
Der Grundstein für Simmons’ ungewöhnliche Karriere wurde in Clemson gelegt. Schon am College fiel er durch extreme Vielseitigkeit auf: Mal agierte er als Linebacker, dann als Safety, immer wieder auch als Slot-Verteidiger. In der National Championship-Saison 2018 war er einer der wichtigsten Bausteine der Tigers-Defense. Ein Jahr später wurde Simmons zum besten College-Linebacker des Landes gewählt – der Butkus Award, dazu die Auszeichnung als ACC Defensive Player of the Year und die Berufung ins All-American-Team. In Clemson war er überall zu finden, wo es brannte. Genau das machte ihn für NFL-Scouts so spannend.
Die Arizona Cardinals griffen früh zu. In der ersten Runde des Drafts sicherten sie sich Simmons als Nummer acht – mit der Hoffnung, ein neues Defensiv-Ass zu bekommen, das die moderne NFL mit Tempo und Flexibilität aufmischt. Schon damals war klar: Simmons bringt alles mit, was Coaches sich wünschen. Geschwindigkeit, Spielintelligenz, Athletik, Größe – und die Fähigkeit, auf mehreren Positionen zu bestehen. Doch was am College als Stärke galt, wurde in der NFL bald zur Hürde. Im Profigeschäft zählt oft Klarheit: Wer bin ich, wo spiele ich, wie werde ich eingesetzt? Für Simmons begann die Suche nach der eigenen Rolle.
Die Suche nach der eigenen Position: NFL-Stationen und Herausforderungen
In seinen ersten beiden Jahren bei den Cardinals zeigte Simmons, warum er so hoch eingeschätzt wurde. Er stand immer wieder auf dem Feld, kam auf Tackles, Sacks und Interceptions – aber nie auf einer festen Position. Mal spielte er als Inside Linebacker, dann als Outside Linebacker, immer wieder auch als Safety oder im Slot. Die Coaches versuchten, seine Stärken bestmöglich zu nutzen. Doch je mehr Simmons zwischen den Rollen wechselte, desto schwerer fand er in der NFL Fuß. Er war überall – und doch nirgendwo wirklich zu Hause.
Die Statistiken stimmen: In seiner ersten Saison kam Simmons auf 54 Tackles, zwei Sacks und eine Interception. Im zweiten Jahr stieg er zum Starter auf, sammelte über 100 Tackles und vier erzwungene Fumbles. Doch auch in der dritten Saison blieb das Muster: Viel Einsatzzeit, viele Aufgaben, aber keine klare Identität. Die Cardinals wechselten das defensive System, Simmons rutschte immer wieder in neue Aufgaben. Für einen jungen Spieler, der eigentlich Stabilität braucht, war das eine echte Herausforderung.
Nach drei Jahren in Arizona kam der nächste Einschnitt. Die Cardinals entschieden sich, Simmons abzugeben. Der Wechsel zu den New York Giants sollte zum Neustart werden. Doch auch dort blieb er der Allrounder, der für alles herhalten musste: Mal als Linebacker, mal als Safety, mal als Edge-Rusher. Die Giants nutzten ihn vor allem in der Rotation, Simmons startete nur wenige Spiele und seine Zahlen gingen zurück. 50 Tackles, ein Sack, eine Interception in der ersten Giants-Saison. Im Jahr darauf wurde seine Rolle noch kleiner – nur noch ein Start, dazu 21 Tackles und ein erzwungener Fumble. Der große Durchbruch blieb aus.
Warum tat sich Simmons in der NFL so schwer? Die Antwort liegt auf der Hand: In einer Liga, in der Spezialisten gefragt sind, war Simmons der Generalist. Er konnte vieles, aber nichts so herausragend, dass er unverzichtbar wurde. Immer wieder wechselte er das Aufgabenfeld, musste sich auf neue Coaches, Systeme und Mitspieler einstellen. Wo andere Stars als Fixpunkte der Defense galten, blieb Simmons das Fragezeichen – ein Spieler, der alles kann, aber dessen Rolle nie ganz klar war. Doch genau darin liegt auch seine Chance.
Neustart bei den Packers: Die Vielseitigkeit als Trumpf
Mit dem Wechsel nach Green Bay beginnt für Simmons ein neues Kapitel. Die Packers setzen gezielt auf seine Vielseitigkeit: Er soll in verschiedenen Defensiv-Packages eingesetzt werden, als Hybrid-Spieler zwischen Linebacker und Safety, dazu in den Special Teams. In der NFL werden Spieler wie er immer gefragter – gerade weil Offenses variabler und schneller werden. Die Packers suchen nach Antworten auf moderne Angriffssysteme, und Simmons bringt das Rüstzeug mit, um flexibel auf alles zu reagieren.
Für Simmons selbst ist das mehr als nur ein weiterer Wechsel. Es ist die Chance, aus den Erfahrungen der letzten Jahre zu lernen. Er weiß, wie schwer es ist, ständig neu anzufangen – aber auch, wie wertvoll es sein kann, verschiedene Positionen zu kennen. Die Packers bieten ihm die Möglichkeit, seine Qualitäten bewusst einzubringen, ohne ihn auf eine einzige Aufgabe zu reduzieren. Statt als Notlösung soll Simmons als gezielter Baustein für eine variable Defense eingesetzt werden.
Im Team gilt er als Profi, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Coaches schätzen seine Einstellung und seine Bereitschaft, überall anzupacken. Das Ziel ist klar: Simmons soll in der Defensive für Überraschungsmomente sorgen, gegnerische Spielzüge lesen und mit seiner Athletik Räume schließen, die andere nicht abdecken können. Nach den Jahren des Suchens und Wechselns steht er jetzt vor der Chance, endlich das zu werden, was viele in ihm sehen: ein Difference Maker auf mehreren Ebenen.
Statistik | Wert (bis 2024) |
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Spiele (Starts) | 84 |
Tackles | 329 |
Sacks | 8,5 |
Interceptions | 5 |
Erzwungene Fumbles | 9 |
Längster Interception-Return-TD | 56 Yards |
Größe/Gewicht | 1,93 m / 108 kg |
Draft | 1. Runde, Pick 8 |
Wichtige Auszeichnungen | Butkus Award, PFWA All-Rookie, All-American |
Diese Zahlen zeigen, wie breit das Profil von Simmons ist. Er kommt auf über 300 Tackles, fast zehn Sacks, mehrere Interceptions und Fumbles – dazu Highlight-Plays wie der 56-Yard-Interception-Return-Touchdown. Sein Körperbau (1,93 Meter, 108 Kilo) passt zu allen Positionen, die er bisher gespielt hat. Auch die Auszeichnungen aus College-Zeiten stehen noch heute für ein Talent, das in der NFL noch nicht voll ausgeschöpft wurde.
Persönliches & Ausblick: Die nächste Chance als Alleskönner
Abseits des Feldes ist Simmons eher zurückhaltend. Geboren in Nebraska, aufgewachsen in Kansas, hat er seinen Weg an der Clemson University gemacht – mit Abschluss und College-Titel. Über familiäre Sportgeschichten ist wenig bekannt, Simmons selbst bleibt meist im Hintergrund. Was ihn antreibt, ist der Wille, seinen Platz in der NFL zu finden. Nach Jahren des Suchens weiß er, wie schnell sich eine Karriere drehen kann. Die Erfahrungen aus Arizona und New York haben ihn geprägt – heute profitiert er von jeder Station, jedem Positionswechsel, jedem Neustart.
Für die Packers ist Simmons mehr als nur ein Experiment. Das Team setzt auf seine Erfahrung, seine Athletik und seine Bereitschaft, überall zu helfen. Die Frage bleibt: Kann er diesmal seine Vielseitigkeit zum entscheidenden Vorteil machen? Die Ausgangslage ist so gut wie nie. Die Defense der Packers braucht Spieler, die flexibel agieren und sich nicht auf eine Rolle festlegen lassen. Simmons bringt dafür alles mit – und hat die Chance, endlich als feste Größe wahrgenommen zu werden.
Der Weg war lang, die Erwartungen hoch, die Realität oft ernüchternd. Doch Simmons hat nie aufgegeben. Jetzt, mit mehreren NFL-Jahren auf dem Buckel, kann er seine Geschichte neu schreiben – als Alleskönner, der die Packers-Defense auf ein neues Level hebt. Seine Vielseitigkeit war lange Zeit Fluch und Segen. In Green Bay soll sie endlich zum Schlüssel für den Durchbruch werden.