Jonathan Bullard steht vor einem neuen Kapitel. Nach Jahren als Rollenspieler bei verschiedensten NFL-Teams hat sich der erfahrene Defensive End einen Platz bei den New Orleans Saints gesichert. Dort soll er nicht nur für Tiefe sorgen, sondern eine entscheidende Rolle in der neu formierten Defensive Line übernehmen. Seine Geschichte ist die eines Spielers, der nie aufgegeben hat – und sich jetzt im Spätherbst seiner Karriere endlich als Führungskraft beweisen kann.
Was macht Bullard so besonders? Es ist nicht der Ruhm, der ihn begleitet. Es sind die vielen Stationen, die Rückschläge, die Anpassungen an immer neue Systeme. Trotz allem hat er nie den Glauben an sich verloren. Nach einer Saison, in der er erstmals jede Partie für die Vikings startete und zum Leistungsträger wurde, ist Bullard plötzlich mehr als nur ein Kaderfüller. Die Saints setzen auf seine Erfahrung und Vielseitigkeit. Wie kam es dazu, dass ein jahrelanger Journeyman zum Schlüsselspieler einer NFL-Defense wurde?
Spätstarter mit Durchbruch: Bullards langer Weg zur Stammkraft
Für viele Profis ist die NFL ein Sprint – für Jonathan Bullard war sie ein Marathon. Erst nach fast einem Jahrzehnt im Geschäft schafft er das, woran viele schon früher gescheitert sind: Er startet eine komplette Saison in der Defensive Line. Bei den Vikings ist er plötzlich nicht mehr nur Lückenfüller oder Backup, sondern verlässlicher Starter. 41 Tackles, ein Sack, drei abgewehrte Pässe – solide Zahlen für einen Spieler, der sich zuvor meist mit Rotationen und Spezialrollen begnügen musste.
Diese Leistung kam nicht aus dem Nichts. Bullard hatte gelernt, in unterschiedlichen Systemen zu bestehen. In Minnesota zahlte sich das aus. Die Coaches setzten auf seine Routine, seine Vielseitigkeit, seine Fähigkeit, auch im 3-4- oder 4-3-Front zu bestehen. Mit seiner Physis – 1,91 Meter, 131 Kilo – bringt er die nötigen Voraussetzungen für beide Systeme mit. Die Saison als Starter war mehr als nur ein statistischer Erfolg. Sie öffnete ihm erstmals die Tür zu einer Rolle mit echtem Einfluss.
Nach Jahren als Ergänzungsspieler ist Bullard jetzt gefragt wie nie. Die Saints holen ihn, weil sie wissen: Wer sich so lange durchbeißt, kann auch ein Team führen, das sich neu erfindet.
Viele Stationen, ein Ziel: Über Umwege zur NFL-Karriere
Der Grundstein für diesen späten Durchbruch wurde schon früh gelegt. In Shelby, North Carolina, wächst Bullard in einer Football-Familie auf. An der Crest High School fällt er als vielseitiger Lineman auf, stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft. Das bringt ihm ein Stipendium bei den Florida Gators ein. Dort entwickelt er sich zum Leistungsträger, sammelt 178 Tackles und 12 Sacks in vier Jahren. Die Auszeichnungen – First-Team All-SEC, Third-Team All-American – zeigen das Potenzial, das in ihm steckt.
Im Draft wird Bullard schließlich in der dritten Runde von den Chicago Bears gezogen. Ein solider Pick, aber kein Star-Status. In Chicago bekommt er zwar Spielzeit, doch der Durchbruch bleibt aus. Drei Jahre, fünf Sacks, viel Rotation: Bullard bleibt ein Rollenspieler, der immer wieder um seinen Platz kämpfen muss.
Es folgen kurze Stationen bei den Cardinals, Seahawks und Falcons. Immer wieder wechselt er das System, die Trainer, die Erwartungen. Doch Bullard bleibt im Geschäft. Er ist kein Lautsprecher, kein Medienstar – aber ein Profi, auf den sich Coaches verlassen, wenn sie Tiefe und Zuverlässigkeit brauchen. All das zahlt sich aus, als er nach Stationen in Arizona, Seattle und Atlanta bei den Vikings landet.
Team | Spiele | Sacks | Tackles | Pass Breakups |
---|---|---|---|---|
Chicago Bears | 46 | 5 | - | - |
Arizona Cardinals | 9 | 1,5 | - | - |
Seattle Seahawks | 6 | 0 | - | - |
Atlanta Falcons | 9 | 0 | - | - |
Minnesota Vikings | 46 | 2 | - | - |
Die Tabelle zeigt: Bullard ist nie der große Playmaker, aber immer da, wenn er gebraucht wird. Über 100 NFL-Spiele, 221 Tackles, 6,5 Sacks und 8 abgewehrte Pässe stehen inzwischen in seiner Vita. Für einen Drittrundenpick, der nie als Franchise-Spieler galt, ist das eine Bilanz, die Respekt verdient.
Doch warum schafft Bullard ausgerechnet jetzt den Sprung vom Rollenspieler zum Leistungsträger? Die Antwort liegt in seiner Entwicklung als Spezialist für verschiedene Systeme. Über Jahre lernt er, wie man auch in wechselnden Rollen wichtig für ein Team wird. Diese Erfahrung macht ihn für die Saints plötzlich zum Wunschspieler.
Vom Rollenspieler zum Schlüsselspieler – neue Rolle in New Orleans
Mit dem Wechsel nach New Orleans bekommt Bullard eine neue Aufgabe: Er soll nicht nur Lücken schließen, sondern Führungsqualitäten zeigen. Die Saints bauen ihre Defense um, setzen auf ein neues System – und brauchen Profis, die sich in jeder Situation zurechtfinden. Genau dieser Spieler ist Bullard geworden. Er kennt die NFL aus allen Perspektiven: als Rookie, als Backup, als Starter. Das macht ihn wertvoll für junge Kollegen, die noch ihren Platz suchen.
Die Coaches schätzen dabei nicht nur seine Erfahrung, sondern auch seine Bereitschaft, sich in jedes System einzufügen. Ob als Defensive End im 4-3 oder als End in der 3-4-Front – Bullard bringt die richtige Mischung aus Physis, Technik und Football-IQ. Das Vertrauen, das ihm die Saints schenken, ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit im Hintergrund. Heute ist Bullard ein Profi, der nicht nur für sich spielt, sondern für das Team.
Seine Rolle geht dabei über das Feld hinaus. Als erfahrener Veteran wird er zum Ansprechpartner für jüngere Spieler, zum Bindeglied zwischen Defensive Line und Coaching Staff. Gerade in einer Defense, die sich neu aufstellt, sind solche Typen gefragt. Bullard weiß, wie man sich anpasst – und wie man auch nach Rückschlägen zurückkommt.
Neue Chancen, neue Verantwortung: Bullard als Führungsspieler
Mit dem Wechsel zu den Saints ist Bullard am Ziel, das viele Profis nie erreichen: Er ist nicht mehr nur Teil des Kaders, sondern ein wichtiger Baustein im System. Die Erwartungen sind klar: Er soll Stabilität bringen, Lücken füllen und den jungen Spielern zeigen, was es heißt, in der NFL zu bestehen. Für Bullard ist das eine Chance, sich noch einmal auf höchstem Niveau zu beweisen.
Die Herausforderungen sind dabei nicht kleiner geworden. Ein neues Team, ein neues System, hohe Erwartungen – doch Bullard hat gelernt, wie man damit umgeht. Seine Karriere hat ihn gelehrt, dass es im Football nicht auf den schnellsten Start ankommt, sondern auf den langen Atem. In New Orleans kann er diese Erfahrung einbringen – und vielleicht sogar die beste Saison seiner Laufbahn spielen.
Kategorie | Werte |
---|---|
Geburtsjahr/-ort | 1993, Shelby (NC) |
Größe/Gewicht | 1,91 m / 131 kg |
College | Florida Gators |
Draft | 3. Runde, Pick 72 |
NFL-Stationen | Bears, Cardinals, Seahawks, Falcons, Vikings, Saints |
Karriere-Spiele | 116 |
Karriere-Tackles | 221 |
Karriere-Sacks | 6,5 |
Karriere-Pass Breakups | 8 |
Die Zahlen belegen: Bullard hat sich mit harter Arbeit und Geduld einen festen Platz in der Liga verdient. Seine Geschichte steht für alle, die sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen und auch nach Jahren im Geschäft noch neue Wege suchen.
Der Mensch hinter dem Helm: Charakter, Heimat, Zukunft
Abseits des Feldes bleibt Bullard bodenständig. Seine Wurzeln in Shelby, North Carolina, sind ihm wichtig. Auch während seiner NFL-Jahre verliert er nie den Kontakt zur Familie und zur Heimat. Das College in Florida war der erste große Schritt, doch der Weg in die NFL war von Anfang an kein Selbstläufer. Ausbildung und Disziplin prägen ihn – Eigenschaften, die ihm heute als Führungskraft helfen.
Mit Einjahresverträgen in Minnesota und New Orleans bleibt Bullard flexibel. Er weiß, dass im Profi-Football nichts garantiert ist. Doch genau dieser Weg hat ihn stark gemacht. Heute profitiert er von den Erfahrungen, die er auf seinen Stationen gesammelt hat. Seine Karriere ist der Beweis, dass es auch ohne großen Namen und Medienrummel möglich ist, in der NFL Spuren zu hinterlassen.
Was kommt nach der Zeit bei den Saints? Für Bullard zählt nur das Hier und Jetzt. Er will zeigen, dass er mehr ist als ein Journeyman – dass er eine Defense führen und prägen kann. Vielleicht ist genau das die größte Stärke eines Spielers, der nie aufgegeben hat: Er weiß, wie man Chancen nutzt, wenn sie sich bieten.
Jonathan Bullard steht für all jene, die sich nicht von Rückschlägen stoppen lassen. Sein langer Weg durch die NFL ist eine Geschichte von Geduld, Lernbereitschaft und der Fähigkeit, auch im Spätherbst der Karriere noch einmal ganz vorne anzugreifen. In New Orleans bekommt er die Bühne, die er sich verdient hat.