Nick Mullens ist Backup-Quarterback bei den Jacksonville Jaguars. Hinter Franchise-Spielmacher Trevor Lawrence gilt er als verlässlicher Rückhalt – einer, der stets bereitsteht, wenn er gebraucht wird. Dabei war sein Weg in die NFL alles andere als selbstverständlich. Mullens hat sich seinen Platz in der Liga mit harter Arbeit, Geduld und einer Prise Sturheit erkämpft. Heute ist er das Musterbeispiel für einen Quarterback, der nie aufgibt und in jeder Situation bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.
Was Mullens besonders macht? Er ist kein Star, kein Medienliebling, aber ein Spieler, dem Coaches und Mitspieler vertrauen. Seine Karriere steht für eine Qualität, die im modernen NFL-Geschäft oft unterschätzt wird: Wer als Undrafted Free Agent trotzdem jahrelang in der Liga bleibt, hat mehr als nur Talent – er bringt Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und die Fähigkeit mit, auch unter Druck zu liefern. Mullens’ Weg zeigt: Nicht jeder NFL-Erfolg beginnt mit einem Erstrundenpick. Viel wichtiger ist, wie man mit Rückschlägen umgeht und Chancen nutzt, wenn sie kommen.
Doch wie wurde aus einem ungedrafteten College-Quarterback ein gefragter Backup in einer der härtesten Ligen der Welt? Der Grundstein dafür wurde schon früh gelegt.
Vom Rekordmann zum Außenseiter: Mullens’ Weg in die NFL
Nick Mullens stammt aus Hoover, Alabama. Bereits in der High School machte er mit starken Leistungen auf sich aufmerksam. Als Gatorade Player of the Year für Alabama führte er die Spain Park High School zu Erfolgen und empfahl sich für höhere Aufgaben. An der University of Southern Mississippi folgte der nächste Schritt: Mullens brach die College-Rekorde von Brett Favre für Passing Yards und Touchdown-Pässe in einer Saison – Zahlen, die normalerweise das Ticket in den NFL-Draft bedeuten.
Trotz dieser Ausrufezeichen blieb Mullens im Draft-Jahr jedoch ohne Auswahl. Das Undrafted-Label haftete an ihm, und die NFL-Welt nahm erst einmal wenig Notiz von dem Quarterback aus dem Süden. Doch gerade diese Erfahrung wurde zum Antrieb. Mullens wusste: Wer nicht zu den Auserwählten gehört, muss doppelt so hart arbeiten. Er nutzte jede Gelegenheit, um sich zu beweisen – im Training, auf dem Practice Squad, im Meeting-Raum. Sein Ziel: Eines Tages die Chance zu bekommen, sich auf NFL-Niveau zu zeigen.
Diese Motivation war der Motor, der Mullens antrieb. Doch der Weg in die Liga war steinig, und das erste große Ziel – ein Platz im aktiven Kader – sollte nicht über Nacht kommen.
Chancen nutzen: Mullens’ NFL-Reise durch sechs Teams
Die erste Station in der NFL war San Francisco. Dort unterschrieb Mullens als Undrafted Free Agent. Anfangs stand er im Schatten etablierter Quarterbacks und musste sich über das Practice Squad empfehlen. Doch als sich die Gelegenheit bot, war Mullens bereit: In seinem NFL-Debüt lieferte er mit einem Passer Rating von 151,9 das beste Ergebnis eines Quarterbacks mit mindestens 20 Passversuchen im ersten Spiel ab – ein Einstand, der selbst erfahrene Beobachter überraschte.
Es blieb nicht bei einem kurzen Auftritt. In mehreren Einsätzen für die 49ers zeigte Mullens, dass er mehr kann als nur verwalten. Er brachte 530 von 805 Pässen für 6.429 Yards, 34 Touchdowns und 31 Interceptions an – solide Werte für einen Quarterback, der oft unter schwierigen Umständen aufs Feld musste. Mullens war nie der designierte Starter, aber immer dann zur Stelle, wenn Verletzungen oder Formkrisen neue Lösungen verlangten.
Nach knapp vier Jahren in San Francisco folgten weitere Stationen. Mullens wechselte zu den Philadelphia Eagles, später zu den Cleveland Browns, verbrachte Zeit bei den Las Vegas Raiders und den Minnesota Vikings. Überall war das Muster ähnlich: Mullens kam als Backup, musste blitzschnell neue Spielsysteme lernen und immer wieder neu um seinen Platz im Team kämpfen. In Cleveland und Minnesota zeigte er erneut, dass auf ihn Verlass ist – egal, ob als kurzfristiger Starter oder als erfahrener Ersatzmann im Hintergrund.
Team | Jahre | Starts | Passing Yards | Touchdowns | Interceptions | Passer Rating |
---|---|---|---|---|---|---|
49ers | 2017–2020 | 16 | 4,714 | 25 | 22 | 87,2 |
Browns | 2021 | 1 | 147 | 1 | 0 | 89,2 |
Vikings | 2022–2024 | 5 | 1,568 | 8 | 7 | 88,9 |
Jaguars | seit 2025 | 0 | — | — | — | — |
Die Tabelle zeigt Mullens’ Stationen und die wichtigsten Zahlen seiner NFL-Reise. Egal bei welchem Team: Er war immer bereit, einzuspringen, wenn Not am Mann war. Diese Fähigkeit, sich schnell in neue Systeme einzufinden und auf Knopfdruck abzuliefern, macht ihn für Coaches so wertvoll.
Sein Weg führte ihn schließlich zu den Jacksonville Jaguars. Hier unterschrieb Mullens einen Zweijahresvertrag – ein Zeichen dafür, wie sehr Teams Erfahrung und Zuverlässigkeit auf der wichtigsten Position im Football schätzen. Mit einem Grundgehalt von 1,2 Millionen Dollar, einem Signing Bonus und weiteren Prämien gehört er nicht zu den Topverdienern, aber er hat sich einen festen Platz als Backup-Quarterback gesichert.
Doch dieser Status kommt nicht von ungefähr. Mullens hat sich in der NFL einen Ruf als Profi erarbeitet, der immer alles gibt und das Team nie im Stich lässt. Das ist gerade auf der Quarterback-Position Gold wert: Ein Backup, der blitzschnell einspringen kann, der das Playbook kennt und dem die Mitspieler vertrauen – das suchen viele Teams vergeblich.
Mehr als nur Ersatz: Was Mullens so wertvoll macht
Die NFL ist ein Geschäft der Stars. Doch die Karriere von Nick Mullens zeigt: Auch Spieler abseits des Rampenlichts prägen die Liga. Seine wichtigsten Auftritte kamen oft dann, wenn andere ausgefallen sind. Besonders in San Francisco musste Mullens mehrfach als Starter ran, als sich Jimmy Garoppolo verletzte. Mit 4.714 Passing Yards und 25 Touchdowns in 16 Starts bei den 49ers gehörte er zu den produktivsten Ersatz-Quarterbacks der Liga.
Sein Debüt bleibt unvergessen: Mit 262 Yards, drei Touchdowns und keinem Turnover sorgte Mullens für Schlagzeilen – und bewies, dass er mehr als nur ein Notnagel ist. Auch bei den Browns und Vikings bestätigte er dieses Bild. Immer wieder zeigte er, dass er komplexe Spielsysteme schnell aufnehmen und auf dem Feld umsetzen kann.
Für Coaches zählt vor allem eines: Vertrauen. Wer als Backup-Quarterback regelmäßig neue Teams und Systeme kennenlernt, braucht eine schnelle Auffassungsgabe, Disziplin und die Bereitschaft, sich unterzuordnen. Mullens bringt all das mit. Er ist kein Lautsprecher, aber ein Teamplayer, der im Hintergrund arbeitet und bereit ist, im entscheidenden Moment Verantwortung zu übernehmen.
- Rekord-Passer Rating (151,9) beim NFL-Debüt
- Über 6.400 Passing Yards und 34 Touchdowns in der NFL
- Mehr als 20 Starts als Backup in sechs Jahren
- Unterschiedliche Systeme und Coaches – immer einsatzbereit
Diese Zahlen und Fakten sind das Resultat harter Arbeit und einer klaren Haltung: Mullens gibt nie auf, sondern bleibt dran – egal, wie schwer der Weg wird. Heute profitieren die Jaguars von genau diesen Qualitäten. Mullens ist nicht nur ein Backup, sondern ein Mentor für jüngere Spieler, ein Ruhepol im Quarterback-Raum und eine Versicherung für den Fall der Fälle.
Was bleibt? Mullens, Football und das Leben danach
Nick Mullens’ Weg ist auch eine Familiengeschichte. Schon sein Großvater, Ernie Tabor, war Profisportler – wenn auch im Baseball. Die Leidenschaft für den Sport liegt bei den Mullens in den Genen. Nach seinem Abschluss an der University of Southern Mississippi blieb Mullens seiner Heimat Alabama immer verbunden. Dort lernte er, was es heißt, für seinen Traum zu kämpfen – eine Lektion, die ihn bis heute antreibt.
Seine Rolle in Jacksonville geht inzwischen über das reine Backup-Dasein hinaus. Mullens ist ein erfahrener Profi, der die jüngeren Quarterbacks anleitet, das Playbook im Detail kennt und als verlängerter Arm der Coaches gilt. Viele Experten trauen ihm nach seiner aktiven Karriere eine Zukunft als Coach oder Mentor zu – Qualitäten wie seine sind in der NFL gefragt.
Was lehrt Mullens’ Geschichte? In einer Liga voller Stars und kurzer Karrieren gibt es auch die leisen Helden. Spieler, die sich durchbeißen, ihre Chancen nutzen und immer bereit sind, wenn es drauf ankommt. Mullens steht für diesen Typus: Kein Erstrundenpick, kein Medienstar, aber ein Profi, auf den sich jedes Team verlassen kann. Sein Weg zeigt, dass Erfolg in der NFL viele Gesichter hat – und dass manchmal gerade die Underdogs am meisten bewegen.