Will Reichard ist der Kicker, auf den die Minnesota Vikings bauen. Er steht für Präzision, Nervenstärke und eine bemerkenswerte Konstanz, die im NFL-Alltag Gold wert ist. Nach einem Start in die NFL, der zwischen Traum und Drama pendelte, hat sich Reichard als feste Größe im Special-Team der Vikings durchgesetzt. Seine Story zeigt: Wer im entscheidenden Moment trifft – und nach Rückschlägen nicht aufgibt – kann auch in der NFL zum Rückhalt werden.
Als Kicker entscheidet Reichard regelmäßig über Sieg und Niederlage. Diese Verantwortung trägt er mit einer Ruhe, die sich nicht nur in seiner Trefferquote zeigt, sondern auch im Umgang mit Rückschlägen. Die Saison nach seiner Ankunft bei den Vikings brachte alles mit, was das Leben in der NFL ausmacht: Traumstart, Verletzung, Zweifel – und ein starkes Comeback. Doch wie wird man zu diesem verlässlichen Spezialisten? Der Weg dorthin beginnt weit vor der NFL.
Perfekter Start – und dann der Rückschlag
Mit dem ersten Schritt auf NFL-Rasen zeigte Reichard, dass er bereit war. Vierzehn Field Goals in Serie – kein Miss, keine Nervenflattern, keine Spur von Rookie-Unsicherheit. Die Vikings hatten sich für einen Kicker entschieden, der sofort lieferte. Doch die Euphorie bekam einen Dämpfer, als eine Quadrizepsverletzung alles stoppte. Plötzlich war die Frage nicht mehr, wie viele Punkte Reichard beisteuern kann, sondern ob er überhaupt zurückkommt.
Die Wochen abseits des Feldes waren der Härtetest. Für viele Kicker bedeutet eine Muskelverletzung im Bein das Karriere-Aus oder zumindest eine lange Pause. Doch Reichard arbeitete sich zurück. In Woche 14 kehrte er aufs Feld zurück – und verwandelte direkt wieder. Keine Spur von Unsicherheit. Die restliche Saison schloss er mit 24 von 30 Field Goals (80 Prozent) und einer makellosen Serie bei Extrapunkten ab. Für die Vikings war klar: Wer so zurückkommt, ist mehr als ein gewöhnlicher Rookie.
Diese mentale Stärke kommt nicht von ungefähr. Reichard hat sich schon früh daran gewöhnt, dass auf ihn Verlass sein muss. Die Basis dafür wurde nicht erst in Minnesota gelegt.
Vom High-School-Star zum College-Rekordjäger
Der Grundstein für Reichards Karriere wurde in Hoover, Alabama, gelegt. Schon an der High School galt er als eines der größten Kicker-Talente des Landes. Die Hoover High School war sein Sprungbrett, und schnell war klar: Wer so konstant trifft, landet bei einem Top-College.
Die University of Alabama wurde zum nächsten Schritt. Fünf Jahre lang war Reichard der Mann für die großen Momente. 84 von 100 Field Goals verwandelte er, dazu 240 von 242 Extrapunkten – eine Bilanz, die in der SEC ihresgleichen sucht. Auszeichnungen wie das All-SEC First Team und eine Finalistenrolle beim Lou Groza Award unterstreichen, wie hoch sein Standing im College-Football war. In Alabama lernte Reichard, was es bedeutet, unter Druck zu stehen und trotzdem abzuliefern.
Station | Field Goals | Extrapunkte | Längstes FG | Auszeichnungen |
---|---|---|---|---|
Alabama (College) | 84/100 | 240/242 | 52 Yards | All-SEC, Lou Groza Finalist |
Vikings (NFL-Rookie) | 24/30 | 38/38 | 58 Yards | - |
Die Zahlen zeigen: Reichard war schon vor der NFL ein Garant für Punkte. Doch der Sprung ins Profilager bringt neue Herausforderungen. Jeder Kick zählt, jeder Fehler wird bestraft. Wie geht man damit um, wenn plötzlich nicht mehr 80.000 College-Fans jubeln, sondern die NFL-Karriere auf dem Spiel steht?
Draft, Druck und der Sprung ins NFL-Leben
Die Vikings entschieden sich, Reichard in der sechsten Runde zu holen. Für einen Kicker ist das alles andere als selbstverständlich – doch die Scouts hatten gesehen, wie verlässlich und nervenstark er in Alabama war. Reichard bekam den Startplatz, ohne Umweg über Practice Squad oder Konkurrenzkampf. Die Botschaft war klar: Wir vertrauen dir.
Der Einstieg verlief nach Maß. Die ersten Spiele als Profi – keine Fehltritte, dafür ein 58-Yard-Field-Goal als Highlight. Dann kam die Verletzung, und mit ihr die Zweifel. Viele Rookies verlieren in solchen Momenten das Vertrauen – Reichard nicht. Seine Rückkehr war ein Statement. Die letzten Spiele der Saison zeigte er wieder, warum er geholt wurde: Jeder Extrapunkt saß, auch schwierige Field Goals fanden ihr Ziel. Die Vikings hatten ihren Mann gefunden.
Für Reichard war es die Bestätigung: Auch in der NFL zählt nicht nur das Talent, sondern vor allem der Kopf. Nach Verletzungen zurückzukommen, den Druck auszuhalten und trotzdem abzuliefern – das unterscheidet Spezialisten von Mitläufern.
Konstanz als Markenzeichen
Heute ist Reichard wieder fit und nimmt seine Rolle als Stammkicker der Vikings ein. Im Team gilt er als ruhiger Arbeiter, der selten im Mittelpunkt steht – aber dann trifft, wenn es zählt. Field Goals aus mehr als 50 Yards? Kein Problem. Extrapunkte in engen Spielen? Routine für Reichard. Seine 80-Prozent-Quote bei Field Goals in der ersten NFL-Saison und die perfekte Bilanz bei Extrapunkten sprechen eine klare Sprache.
Was ihn besonders macht, ist die Mischung aus Technik, mentaler Stärke und der Fähigkeit, nach Rückschlägen noch besser zurückzukommen. Ob nach einem verschossenen Kick oder einer Verletzung – Reichard bleibt ruhig. Diese Eigenschaft schätzen Coaches und Mitspieler gleichermaßen. Seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen: Reichard arbeitet an seiner Reichweite, an der Präzision bei Wind und Wetter und an der Kommunikation mit Holder und Snapper. Für die Vikings ist er der sichere Rückhalt im Special Team – und das in einer Liga, in der die Fehlerquote bei Kickern hoch ist.
NFL-Saison | Team | Field Goals | Extrapunkte | Längstes FG | Verletzungen |
---|---|---|---|---|---|
2024 | Vikings | 24/30 | 38/38 | 58 Yards | Quadrizeps (Rückkehr in Saison) |
Die Tabelle zeigt: Selbst im ersten NFL-Jahr ließ sich Reichard nicht aus der Ruhe bringen. Seine Rolle im Team ist klar – und doch gibt es immer wieder neue Herausforderungen.
Was bringt die Zukunft?
Die Vertragssituation von Reichard ist öffentlich kaum bekannt – für die Vikings zählt ohnehin nur das Hier und Jetzt. Im Kader gibt es immer wieder Konkurrenz, doch Reichard hat sich seinen Platz erarbeitet. Die NFL bleibt ein Haifischbecken, gerade für Kicker. Ein verschossener Gamewinner kann die Karriere kosten. Doch Reichard hat gezeigt, dass er mit dem Druck umgehen kann. Die Vikings setzen auf seine Nervenstärke – und auf die Entwicklung, die er noch nehmen kann.
Für die kommende Saison steht Reichard erneut als Spezialist für Field Goals und Extrapunkte bereit. Die Herausforderung bleibt: Jeder Kick zählt, jeder Fehler wird teuer. Doch wer nach einer Verletzung so zurückkommt, der wird auch die nächsten Hürden nehmen. Reichard ist längst Vorbild für junge Kicker, die auf ihren NFL-Traum hoffen – und für sein Team ein Baustein, auf den man sich verlassen kann.
Zahlen, Fakten & Persönliches
Will Reichard bringt alles mit, was ein NFL-Kicker braucht: Mit 1,85 Metern und 85 Kilogramm ist er physisch robust, seine College-Ausbildung an der University of Alabama hat ihn auf höchste Ansprüche vorbereitet. Geboren und aufgewachsen in Hoover, Alabama, blieb er seiner Heimatregion lange treu, ehe die Vikings ihn in die NFL holten. Über familiäre Sportgeschichten ist wenig bekannt – Reichards Karriere spricht ohnehin für sich.
Kategorie | Daten |
---|---|
Geburtsort | Hoover, Alabama |
Größe | 1,85 m (6'1") |
Gewicht | 85 kg (187 lbs) |
College | University of Alabama |
NFL-Draft | 2024, 6. Runde, Pick 203 |
Auszeichnungen | All-SEC First Team, Lou Groza Finalist |
Längstes Field Goal (NFL) | 58 Yards |
Mit dieser Bilanz und seinem klaren Fokus auf das Wesentliche ist Reichard heute mehr als nur ein weiterer Kicker in der NFL. Er steht für Zuverlässigkeit, für den unbedingten Willen zum Comeback – und für die Fähigkeit, im entscheidenden Moment zu treffen. Für die Vikings ist das ein Glücksfall. Für Reichard selbst ist es erst der Anfang.