Sean Payton sagt bei den Denver Broncos künftig wieder selbst die Plays der Offense an. Das hat der Head Coach am 8. Oktober nach dem Training in Englewood angekündigt. Er nimmt die Aufgabe damit Offensive Coordinator Davis Webb ab, dem er sie vor der Saison übertragen hatte. Nach vier Spielen stehen die Broncos bei zwei Siegen und zwei Niederlagen, und ihre Offense liegt in den meisten Statistiken der Liga weit hinten. „Wir ändern etwas in der Offense. Ich sage die Plays an“, sagte Payton.

Warum Sean Payton die Offense wieder selbst steuert

Bei den erzielten Punkten liegen die Broncos auf Platz 27, vor der Pause kamen im ersten Monat der Saison insgesamt gerade 13 Punkte zusammen. Payton hatte wiederholt kritisiert, dass das Laufspiel nicht konstant funktioniert und die Offense schon beim First Down Probleme hat, sodass sie in den folgenden Versuchen oft noch viele Yards vor sich hat. Als Grund für den Wechsel nannte er sein Bauchgefühl.

Entschieden hat er sich nach eigener Aussage bereits am 5. Oktober. An diesem Tag sprach er mit Webb, den Spielern und den Trainern der Offense, bevor die Vorbereitung auf das nächste Spiel begann. Als er zwei Tage später gefragt wurde, ob vier Spiele reichen, um die Offense unter Webb zu beurteilen, behielt er das noch für sich und sagte, es komme auf die Details jedes Spielzugs an, egal wer die Plays ansagt. Die Entscheidung nannte Payton schwerer als die, das Playcalling vor der Saison abzugeben.

Davis Webb bleibt an der Seitenlinie

Webb arbeitet weiter an der Spielvorbereitung mit und steht während der Spiele neben Payton an der Seitenlinie. Er war erst in dieser Offseason zum Offensive Coordinator befördert worden, nachdem er drei Saisons lang die Quarterbacks der Broncos betreut hatte.

Payton stellte sich ausdrücklich vor ihn. Er mache das lange genug, um einen künftigen Head Coach zu erkennen, und Webb werde einer, sagte er; das habe er ihm auch persönlich gesagt. In der Vorbereitung dieser Woche sei Webb „fantastisch“ gewesen. Payton kennt die Lage aus eigener Erfahrung: 2002 entzog ihm bei den New York Giants der damalige Head Coach das Playcalling, vier Jahre später, 2006, wurde er Head Coach der New Orleans Saints. Das sei hart gewesen, sagte Payton, doch dem Team sei es danach besser gegangen, und am Ende zähle, was für das Team das Beste sei.

Was Sean Payton sich für Bo Nix erhofft

Payton hofft, dass die Umstellung auch Quarterback Bo Nix hilft. Nix spielt bisher nicht gut: Er verzichtet oft auf tiefe Würfe, gibt den Ball früh an kurze Anspielstationen weiter und läuft seltener selbst als in der Vorsaison. Bei der 14:24-Niederlage gegen die San Francisco 49ers am 4. Oktober landeten 29 seiner 42 Pässe hinter der Line of Scrimmage oder weniger als zehn Yards vor ihr.

Die Schuld sieht Payton nicht allein beim Quarterback. Dessen Leistung hänge von vielem anderen ab, sagte er, und das müsse sich zuerst verbessern. Nix selbst kündigte an, einiges ändern und besser werden zu wollen; das komme mit der Zeit.

Den ersten Test als Playcaller hat Sean Payton am 11. Oktober bei den Los Angeles Chargers, die alle vier Spiele verloren haben. Bisher traf Denver auf Jacksonville, San Francisco, Kansas City und die Los Angeles Rams, die alle zu den zehn Defenses mit den wenigsten zugelassenen Punkten zählen. Die Chargers liegen in dieser Rangliste auf Platz 24. Ob Webb das Playcalling später zurückbekommt, ist offen.