Die Eigentümer der 32 NFL-Klubs haben dem Verkauf der Seahawks an die Familie Khosla einstimmig zugestimmt. Commissioner Roger Goodell gab die Entscheidung am 26. August bei einem eintägigen Ligatreffen in Atlanta bekannt. Damit wird die Vereinbarung wirksam, die der Nachlass des früheren Eigentümers Paul Allen und die Käufer am 11. Juli geschlossen hatten, und zwar über 9,612 Milliarden Dollar.
So viel hat noch nie jemand für ein NFL-Team bezahlt. Der bisherige Rekord lag bei 6,05 Milliarden Dollar, die eine Gruppe um Josh Harris 2023 für die Washington Commanders aufbrachte. Nötig waren für die Ratifizierung mindestens 24 der 32 Eigentümerstimmen, votiert haben am Ende alle dafür. Die Ligaausschüsse für Finanzen und für Eigentümerfragen hatten in der Woche zuvor bereits einstimmig empfohlen, dem Geschäft zuzustimmen.
Neue Controlling Owner werden Vinod Khosla, seine Frau Neeru und ihr Sohn Neal. Der 71-jährige Vinod Khosla wurde in Indien geboren, gründete Sun Microsystems mit und steht hinter der Wagniskapitalfirma Khosla Ventures, die früh unter anderem in OpenAI, DoorDash und Instacart investiert hat. Forbes beziffert sein Vermögen auf 13,8 Milliarden Dollar. Wer außer der Familie noch als Limited Partner zur Eigentümergruppe gehört, ist bislang nicht bekannt.
Khosla muss seinen Anteil an den 49ers abgeben
Khosla hat 2025 einen Anteil von 3,1 Prozent an den San Francisco 49ers gekauft und ist dort seither Minderheitseigner. Diesen Anteil muss die Familie als Teil der Vereinbarung wieder abstoßen. Für die übrigen Eigentümer sprach die Beteiligung nach Goodells Worten sogar für die Käufer: Die Erfahrung, die die Khoslas bei den 49ers gesammelt haben, sei ein Argument gewesen.
Bei der Pressekonferenz in Atlanta ordnete der künftige Eigentümer den Zeitpunkt selbst ein. Seattle hatte am 8. Februar den Super Bowl LX mit 29:13 gegen die New England Patriots gewonnen, den zweiten Titel der Vereinsgeschichte. Wie oft man schon eine Franchise kaufen könne, die gerade den Super Bowl gewonnen habe, fragte er; seine Familie sei außerordentlich glücklich und empfinde den Klub als Geschenk des Allen-Trusts. Goodell nahm den Faden scherzhaft auf und bescheinigte den Käufern ein großartiges Gespür für den richtigen Moment. Vielen Klubs der Liga gelinge es nur schwer, überhaupt in einen Super Bowl zu kommen und ihn dann auch zu gewinnen.
Der Verkauf der Seahawks stand in Paul Allens Testament
Loswerden wollte diesen Klub niemand. Auf den Markt kam er, weil der frühere Eigentümer es so verfügt hatte. Paul Allen, Mitgründer von Microsoft, hatte die Seahawks 1997 für 194 Millionen Dollar von Ken Behring gekauft und damit einen Umzug nach Südkalifornien verhindert. Als er 2018 mit 65 Jahren an den Folgen eines Non-Hodgkin-Lymphoms starb, übernahm seine Schwester Jody Allen den Vorsitz über den Nachlass, verbunden mit dem Auftrag, den Klub zu veräußern. Die Erlöse gehen an wohltätige Zwecke. Khosla dankte ihr und dem Allen-Trust dafür, ihm die Franchise anvertraut zu haben.
Den Beginn des Verkaufsverfahrens machte der Nachlass am 18. Februar öffentlich, kurz nach dem Titelgewinn. Dass ein Team so bald nach einem Endspiel zum Verkauf steht, hatte es in der Super-Bowl-Ära zuvor nicht gegeben.
Was für den Standort Seattle gilt
Der Mietvertrag bindet die Seahawks bis 2032 an das Lumen Field, dazu kommen drei Optionen über je zehn Jahre. Khosla nannte das Stadion prägend für die Marke der Seahawks und kündigte an, gemeinsam mit der Klubführung und mit der Stadt an deren Erhalt zu arbeiten. Zugleich schränkte er ein, dass seine Familie noch nicht Eigentümer sei und noch viel zu lernen habe.
Diese Einschränkung ist wörtlich zu nehmen: Der Verkauf der Seahawks ist beschlossen, vollzogen ist er noch nicht. Den Besitzer wechselt der Klub erst mit dem Abschluss der Transaktion, und wann es so weit ist, steht nicht fest. Möglich ist ein Abschluss noch vor dem Saisonauftakt am 9. September, wenn Seattle im Rematch des Super Bowls erneut auf New England trifft. Sein Ziel für die Zeit danach hat Khosla knapp umrissen: die Siegesserie am Leben halten und den nächsten Super Bowl gewinnen.
